Taubenlieder - Wiener Hochfliegerlieder
Paraphrasen auf berühmte Wienerlieder, verfaßt von Carl Humpel 1880 - 1932 für seinen Jugendfreund Josef Sowa, dem Ehrenobmann der Hochflugtaubenfreunde und - Züchter in Alt Ottakring. Den Verein gibt es nicht mehr und die Lieder wären wohl vergessen, hätte sich nicht Peter Heindl ihrer angenommen. Er hatte die gedruckten Texte vor vielen Jahren von einem alten „Jaucker" mit der Bitte erhalten: „sie nicht verkommen zu lassen!". Als Heindl 2006 Ingomar Kmentt Wienerlieder singen hörte, erinnerte er sich wieder an die Taubenlieder. Im Gespräch wurde man sich bald einig, diese Texte musikalisch umzusetzen. Es existierten ja nur die Texte, die mit dem Hinweis versehen waren: „zu singen auf das Fiakerlied, mei Muatterl war a Weanarin, oder das Galiziberglied etc. In witziger Weise setzt sich Carl Humpel mit dem einst so beliebten, wie verbreitetem Volkssport der Wiener auseinander, was sich im Vereinsleben der Jaucker so abspielte. Ingomar Kmentt
(Bariton, Gitarre) und Franz Josef Schweidler (Altwiener Knopfharmonika) spielten 8 der 10 Lieder auf CD ein. Die nur zum Teil bekannten Originale sollen dabei nicht fehlen. So kommt das selten gesungene „so lang no a süffiges Tröpferl gedeiht" von F. P. Fiebrich, wieder zu Ehren. Zwischen den Liedern gibt es interessante Details über die in Schönbrunn gehegten Taubenrassen, die ein besonderes Anliegen Helmut Pechlaners waren. Das Taubenhaus wurde ihm, zum Abschied seiner Direktion, von den Freunden des Tiergartens gewidmet. Pechlaner erzählt über seine lebenslange Beziehung zu den, in Wien nicht gerade beliebten, Haustieren. Mit dieser CD wurde ein Stück Wiener Kultur vor dem Vergessen bewahrt.
Begriffserklärung zu den Liedertexten
1) Jaucker .... der Taubenzüchter, Trainer für den Wettkampf > jaukn, treiben, jagen,mhd. jouchen - jagen > Jauckerl, die Spritze, die in den Körper gestochen wird
2) Schlag, da ist der Taubenschlag gemeint, der sich meistens am Dachboden befand
3) Viecher, die Tiere
4) Glegenheit, der Käfig am Dachboden mit einer entsprechenden Klappe. Abfluggelegenheit vom Taubenschlag, um die Tiere ins Freie zu entlassen> Reisegelegenheit
5) die G'storchten, kommt von der Farbe schwarz-weiß, die die Störche tragen
6) Hochflugsport, das war die Kunst, die Tauben so hoch steigen zu lassen, daß man sie nicht mehr sieht. Ebenso war es wichtig, daß alle Tauben wieder unversehrt in den Schlag zurückkehren > Hochflugtauben
7) Vogl, in dem Fall der große Feind der Tauben, der Falke, Habicht
8) wimsen, Bettelrufe der Jungtauben > winseln, wimmern. mhd. wimmer
9) Hochflugsport, das Taubenzüchten und das erfolgreiche in die Luftbringen war zu dieser Zeit der Sport der kleinen Leute
10) Schlapfn, Hausschuh, der hinten offen ist
11) fliagatn, fliegende Tauben. Nicht jedem gelang es die Tauben erfolgreich in die Luft zu bringen
12) Stern, Sterne, stillstehend am Firmament
13) rotbluad, verballhornt von blutrot > blutroter Schädl vor Zorn
14) in die Höh bringen, die Tauben auf Flughöhe bringen > Kirchturmhöhe - Preishöhe. Hier spielte auch die Schadensfreude eine große Rolle, wenn einer das gesteckte Ziel nicht erreichte.
15) Spottgeld, eine lächerlich geringe Geldsumme
16) Bodn, Dachboden > Taubenschlag
17) kreuln, langsam kriechen > kommt von Kralle
18) gstrichn, wie in einer Markierung stehend
19) Strudler, Wichtigtuer > strudln, sich abmühen. Jauckertauben, die niemals zum Preisfliegen kamen > Strudler, auch eine Apfelsorte
20) Schonung, ohne Aufsicht ganz hoch hinauf, wo die Gefahr des Falken lauert
21) Jauckerleut, Taubenzüchter
22) G'stütt, Taubenzucht
23) anmelden, für die Teilnahme an einem Wettbewerb
24) Blunzn, Blutwurst > in Wien waren die Einwohner Grinzings als die Blunznstricker, Fleischhauer, die die Blutwürste füllen, bekannt.
25) Ring, Kennzeichnung der Taube am Fuß über Eigentümer und Örtlichkeit
26) naus haun, hinaus werfen - das Tier muß sofort wieder in die Freiheit entlassen werden
27) Presijauckn, Preiskampf der Taubenzüchter
28) Stecher, Feldstecher
29) Schüppl, übersehbare Menge an Tauben
30) Wachler, ein etwas größerer Fächer > zum Antreiben der Tauben/Ofenfächer
31) Bråtzn, ein gutes Gefühl in der Hand
32) tulli, ausgezeichnet
33) ferm, gut gelungen
34) winni, besessen
35) Truchn, Sarg
36) Federn, Angst bekommen
37) Traam, Balken am Dachboden
Vierzeilige (G´Stanzeln)
Wiener Musik - Taubenlieder - Wiener Hochfliegerlieder
Heut Leutln, sads lusti,A Hetzt woi ma håm
So jung åls wie heut
Kumma nimma mehr zsåmm
Wo Taubnnårrn beinånd san,
Des dürfns ma glauben
Do hört ma sunst nix
Wie von de fliegerten Taubn
Und a jeder dazöd
Wie's heuer san gflogn
Doch is åls nur Magie,
Derstunkn, derlogn
Jeder Taubnnårr, Respekt,
Håt im Kopf an Defekt
Und i wü ihna gern
A die Ursach erklärn
Da Taubndreck, da Dürre,
Wiera Pulver, so fein
Der ziagt si durchs Naserl
Ins Hirnkastl nei
Und des zårte Geschlecht
Wiar i siech, gibt ma Recht
Manche Frau denkt „mei Månn,
Der leid eh scho daran"
Jå de Jaucker håben d' Federn36
Wånn mi ana siecht
So fiacht si a jeder,
Daß i a Lied über eahm dicht
Geht's Leutln, sads gscheit,
Måchts ma amoi de Freud
Bringts ma de Tåubn, wås nix fliegn,
Dåss ma a Golasch draus kriegn
Wånn a Taubn si verfliegt,
Hauts da Jaucker am Traam37
Åber selber, då finden
De Lumpn net haam
Wånn d' Månner oft umdrahn,
Schrein d' Weiber: „oh fix!"
Åber wånns selber mit san,
Då måchts nåcha nix
Und i singert no fort,
Wüßt no gnua übern Sport
Åber i bin liewa staad,
Wås lång dauert, wird fad
Wiar i no g'jauckt håb
Wiener Musik - Taubenlieder - Wiener Hochfliegerlieder
I jauck an Schüppl29 Gstorchte,`S kann jeder sehn am Bodn
A so wia de tan spinna,
Werns wenig g'sehn no håben
Kaan Wachler30, so wås gibt's net,
Den rühr i går net an
Sonst kreulns ma in de Wolkn nei,
Und san glei gånz davon
In 10 Minuten håms oft die Preishöchn erreicht
Då geht's nur immer ruck, ruck, ruck,
Es bleibt ka Anz'ge zruck, zruck, zruck
Und wånn's a tuan so spinna,
Da g'spür i's in mir drin
Dass i die rechte Bråtzn31 håb,
Dass i a Jaucker bin
A Taubnnårr kånn a jeder wer'n,
Åber Jaucker find ma nur in Wean
Mei Stolz san de Gstorchtn, des kennan s' ma glaub'n
Jå i leb und stiab für a fliagate Taubn
Mei Flug der is tulli32, mei G'legnheit is ferm33
I bin hålt a Jaucker von Wean.
Als Bua schon wår i winni34,
Wie wohl no måncher waas
A gånzer Bodn voll Viecher
War g'wiss mei größter G'spaß
Mei Våter wår dagegen,
I hätt Haustaubn håltn solln
Doch mi, mi hat nur s' jauckn gfreut,
I håb net züchtn wolln
Und heut no als a Ålter,
Geht mir mei Herz glei auf
Wånn i a so in Himmel schau,
Und siech de Punkterln drinn im Blau
Da kommen mir die Tränen vor lauter Lust und Freud
Es kommt ma in Erinnerung verschwundne Jugendzeit.
Und sollt ich einst gestorben sein,
Legt's mir a Taubn in d' Truchn35 nei.
Denn i wår a Jaucker, so wia mas verlångt
I håb niemals an drei g'jauckt, oder går ane g'fångt
Mei Stolz wårn nur meine, mei Reichtum, mei Glück
Oh Zeit, du kehrst nie mehr zurück.
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