Wiesn-Zähler

Noch bis zur nächsten Wiesn

Namenstag

Gestern : Erich, Erika, Johannes I., Felix
Heute : Ivo, Yvonne, Kuno
Morgen : Bernhardin, Elfriede,Mira
Was esse ich am liebsten?












Ergebnis

Das Konzert

Literatur - Gedichte

Dieser Beitrag ist nicht von mir. Den habe ich unter dem Nachlaß meiner
Mutter erst jetzt (2008) gefunden. Er ist köstlich, aber leider weiß ich nicht,
von wem er ist. Wenn jemand weiß, von wo dieses Gedicht ist, möge er sich
bei mir melden.

Das Konzert

A Gemauschel, a Getu, a Geschmus, a Geflirt-
So sah es jüngst aus bei dem Friedmannkonzert.
Die Pollak, der Kohn samt Frau und der Stein
Die sitzen- natürlich in die vorderste Reihn.
Frau Pollak, entzückend, sehr tief dekolletiert,
Was wieder den Kohn ungemein interessiert.
Mit echt Brüsseler Spitzen Spitzen die junge Frau Blau
Mit an Wort sozusagen, a reizende Frau.
A Duft von Cologne, von Veilchen und Mai
Mit a ganz klaner Stich von Schweißfüss dabei.
Und wo man nur hinschaut, an jeglicher Stell-
Dominierend ist überall das Volk Israel.

Nor droben, ganz rückwärst, von Juda bedrängt,
Da sitzen drei Spießer, denen man Karten geschenkt.
Sie sitzen ganz scheu, dann ruft einer: "N'ja-
Jetzt san ma mal kommen, jetzt bleiben mir a da!."

Dort steht mit Monokel a Jüngel im Frack,
Der Popper ihr Sohn, mit Halbschuh aus lack.
Vor kurzem, da war er noch naß hinterm Ohr
Heut' nennt er sich stolz "Generaldirektor".
In den Logen, sieht man die hohe Finanz
Sie sonnt sich im republikanischem Glanz.
Doch merkt man noch heute - so sehr sie sich schmeißen,
Daß einstmals sie Singers" und Gans'ls" geheißen.
Da plötzlich wird's stiller, ein allgemein' "ah!" -
Der Leopoldstädter Liebling, der Friedmann ist da.
Geschneckelte Haar und gebogene Füß'
Die Blau ruft ganz laut: "Gott wie ist der süß!"
Das erste ist "bach" - im hebräischen Stil -
Da seufzt die Frau Stern: "Hat der Mann a Gefühl"
Sie beugt sich nach vorn, um die Hände zu sehen
Die fleischigen, massigen, groß wiefür zehn,
Und flüstert dann selig, als ob sie es wüßt':
"Die Händ' und der Anschlag, wie der selige Liszt"
Nun hat er geendet, ein donnernd Applaus,
Der Stern denkt sich, wär nur das ganze schon aus.
"Was", ruft die Popper zum Weiner entsetzt,
"Sie hab'n was versäumt, sie kommen erst jetzt?"
Der gibt ihr zur Antwort: "Grad' so ist es fein,
Bach ist mir zu schwer, drum geh'  ich nix rein.
Beethoven is schon a leichtre Musik
So verbind ich die Kunst mit geselligem Schick.
Da plötzlich ertönt wieder starker Applaus,
Der Friedmann kommt wieder zum Spielen heraus.
"Was kommt jetzt?St! Ruhe! "Mei Dorele rat'
Dei' Lieblingsstück spielt er, die Mondscheinsonat'!"
So steht's im Programm von der Presse darin,
Erspart man's zu kaufen, a klaner Gewinn!
Beethoven vorüber, Stern sieht auf die Uhr
Jekusch, erst neun wie lang dauert das nur?
Die Porgessagt stolz zu der Popper nebenan
"Mei Dora spielts täglich vor mir und mei Mann,
Ma hörts förmlich raus, wie der Mond a so scheint".
Da flüstert die Dora der Mamma ins Ohr:
"Du hast Dich verhört, Du kannst nix davor,
A Programmänderung, s' war nix die Mondscheinsonat"
"Sonat is Sonat, red nix drein und sei stad!"
Die Dora lenkt ab: "Jetzt kommt der Chopin"
"Red nix französisch, es könnt' dir was g'schehn,
Der war doch a Pole". Der Stern lacht voll Freud':
"Ich dacht' mir's doch, aner von unsere Leut"-
Jetzt spielt er Chopin, tappt hin und tappt her
Als wenn er ganz schigger vor Empfindung schon wär'.
Indessen er schätzt die Besuchzahl im Haus
und rechnet s'Perzent vom Reingewinn aus.
Wie ein Kenner schließt Stern seine Äugelein
Und schläft bald vor Rührung bei der schönsten Stell' ein.
Da bald er durch Schnarchen die Nachbarschaft stört
Weckt ihn durch ein Stoß seine Frau ganz empört.
Der Popper inzwischen hat sei Vorteil entdeckt
Und die Hand auf die Schoß von der Dora gelegt.
Durch den Stoß hat der Stern seinen zwicker verloren
Und sucht ihn am Boden mit Müh' und voll Zorn,
Da sieht er bei Dora drei Füße, statt zwei
und macht gleich darüber a Riesengeschrei.
Die Dora, der Popper die fahr'n auseinand
Er rot wie a Krebs, sie weiß wie die Wand.
Der Kohn hat indes mit der Pollak kokettiert
Und sich mehr für die Pollak, als für sei Frau interessiert.
Allein die Frau Kohn hat die Scene belauscht
Und nach diesem Stück hab'n sie Plätze getauscht.
Auch die dritte piece ist glücklich jetzt aus,
Als nächstes kommt jetzt die übliche Paus'.
Und mit dem Genuß, der dem Leibe jetzt winkt
Wird fest kritisiert, weil's gebildeter klingt.
Der Stern sagt verständig; "Das war wirklich schön,
Doch möcht ich das einmal den Schönfeld spiel'n sehn.
Die Technik die große, hat er freilich noch nicht.
Die Technik, die große, hat er freilich noch nicht.
Die Porges ruft; "Dora was sagst, a Gedicht!
Ich bin ganz entzückt; so glatt wie a Aal,
so spielt, wie inser Rosental".
Bei der musikalischen Kritik möcht' für's Leben gern
Sich als Kenner erweisen der Sigi vom Stern.
Drum sagt er, die Kritik, Frau Porges, is mild
Der Hubmann hat viel besser gespielt.
Der Popper, die Porges, der Weiß und Herr Fleck
Die packen jetzt aus a koscheren Speck.
Indessen der Kobi, der Stern, Pick und der Hock
Zusammen sich tun zu an Königstarock.
Der Pick hat gemischt sich an Ultimo g'rad-
Und spielt sich mit 15 Tarock a Pagat.
Da ruft die Frau Pick: "Du Moritzl, eil,
Der Friedmann fängt an mit de zweite Teil!"
Der Pick schreit voll Wut: " Was kümmert das mich
Der Schlag treff den Friedmann, sei Spiel und auch Dich.
So schön spielt ka Mensch auf seinem Klavier
Wie ich Pagat Ultimo grade jetzt hier!"
Da gibt ihm die Pick eine Petsch, daß es kracht,
Worauf mit Tarock und Pagat Schluß gemacht.
Auf einmal will alles zur Künstlertür sehn,
Weil plötzlich zwei mächtige Plattfüß' dort steh'n.
Die Porges ruft: "Dora, schnell komm nicht zu spät,
Ich seh's an die Händ, daß der Friedmann dort red't.
Und richtig, der Friedmann nach kurzem Geschmus,
Eilt ans Klavier zu neuem Genuß.
Zuerst war er süß, wie sich's g'hört bei Chopin.
Nun wollen die Leut a Fortissimo sehn.
Er blickt darum d'rein gleich so wild und so bös
Und macht am Klavier a Riesengetös'
Die Finger, die schmalzigen, fliegen dahin,
Erinnern an Würstel beim Piowatti drin.
A löckerl, das springt voller Wut in die Höh'
Damit nur a Jeder das Feuer gleich seh'.
Mit dem Koloß auf die Tasten d'rauf drischt,
Wenn er auch dabei manche falschen erwischt.
Wie üblich kommt jetzt die große Passage,
Der Friedmann, der stürzt sich darauf voller Rage
Und wie am Klavier er voll Kraft voltigiert,
Da ist ihm am Schluß etwas Menschliches passiert.
Ein Toben des Beifalls durchbraust das Haus,
Die Porges kennt sich vor Begeist'rung nicht aus.
Sie ruft: "Habn's g'hört Sie den Ton, lieber Kohn?"
"Ja" sagt der Kohn, "und ich riech ihn auch schon!"
Vorüber ist das offizielle Programm,
Man drängt sich nach vorne, die Dora voran.
Ruft "Bravo" "Hoch Friedmann" "Heraus, nur heraus"
"A Draufgab', a Walzer von ihm und vom Strauß!"
und wirklich, wird Strauß von dem Friedmann gepackt
Und die Paraphrase heruntergehackt,
Dazu wiegt er so mit dem Kopfe im Takt.
Frau Blau summt a Bresele mit - wie g'sagt -
Vom Friedmann a Strauß, hat a echt Wiener Schan.
Mit freilich sehr viel Galizianischem dran.
Zum Schluß halt's die Porges vor Wonne nicht aus
Und tanzt mit der Dora zum Walzer vom Strauß.
Frau Blau, die zerschmilzt, wirf dem Friedmann zum Schluß
A Leberblümchenbukett auf den Fuß.
Das Volk Israel aber wandert nach Haus
und schmust sich hiebei noch gehörig aus.
und jeder sagt dieses und das, doch zum Schluß
Für alle Fäll' war's a Kunstgenuß.

Nur abseits, da stehen die Spießer gedrückt
und da sie das Spiel nicht besonders entzückt,
So flüstern sie, ehe sie scheiden nach Haus:
"Jetzt wiss'n wir's, wie's an der Börse sieht aus.
Im Vertrauen gesagt, das schönste davon,
War zum Schluß des Programm's - der natürliche Ton!".