Wiesn-Zähler

Noch bis zur nächsten Wiesn

Namenstag

Gestern : Andreas C., Veronika, Jenny
Heute : Agatha, Albuin
Morgen : Dorothea, Doris, Paul M.
Was esse ich am liebsten?












Ergebnis

Literatur - Gschichtl'n

Busfahrt zur Brauerei "Bräu am Berg"

Busfahrt mit ungefähr 40 Personen - Ankunft mit ungefähr 36 Personen

Ein bißchen nervös war ich schon. Die letzten Tage hatten es in sich. Je näher der Ausflugstag rückte, desto mehr fixgebuchte Gäste sagten ab, teils aus vorgetäuschten wichtigen Familienereignissen, oder aus anderen faden-scheinigen Gründen. Da die Teilnehmerzahl deutlich unter 40 rückte, wurde der Griff ins eigene Börsel immer tiefer. Zu dem Zeitpunkt wußte ich noch nicht, daß dieses ein Loch hatte. Doch am Freitag küßte mich plötzlich die Muse. Ich rief noch bei der Familie Schmidt, genauer den Clan der Blechschmidis an, um freudigst zu erfahren, daß ja nie die Rede von vier Teilnehmern, sondern immer von acht war. Unser Michi, aus dem Clan der Reparaturschmidis hatte schlicht und einfach vergessen, mich über die wundersame Vermehrung, von vier auf acht Mitwirkende, zu benachrichtigen. Er war aber zu fortgeschrittener Stunde immer noch der Meinung, mich rechtzeitig über die genaue Personenzahl informiert zu haben. Ich verstand ihn aber zu diesem Zeitpunkt nicht mehr ganz so gut, wußte aber, da er den ganzen Tag immer wieder das gleiche zu sagen hatte, worum es sich handelte. Da ich alle meine Gäste ab halb neun, zu Kuchen und Kaffee um 1,50 €, geladen hatte, ließ ich mir zu Hause noch ein bißchen Zeit, um dann so gegen 15 nach acht im Gasthaus einzutrudeln.


Und siehe da, der Warteraum zur Glückseeligkeit war schon ziemlich gefüllt von Patienten, die es aber erst noch wurden. Schwester Doris, die Urmutter aller Kellnärinnen, kümmerte sich jetzt schon liebevoll um die Frühlinge und erfüllte auch schon die ersten Alkoholwünsche. Gott sei Dank hatte ich 80 Dosen des edlen „Bräu – Gesöffs“ gebunkert. Und bereute es nicht. Man soll gar nicht glauben, wie viele Mitbürger am Vormittag schon dem edlen Gerstentrunk zusprechen. Wenn wir nicht gezwungen gewesen wären diese unzähligen Rauchpausen einzuhalten, wären wir natürlich viel zu früh zum Mittagsschmause gekommen.


So trafen wir pünktlich um 14 Uhr beim Braugasthaus, gleich gegenüber der Brauerei, ein. Nachdem ich fast zehn Tage gehungert hatte, brachen beim Anblick des saftigen Bradls jetzt alle Dämme. Ebenso ist es, dem in Frühpension gehen wollenden Alt- Schmidt ergangen, nur das der nicht vorher gehungert hatte. Seit dem ich ihn das letzte Mal gesehen hatte, kam mir der Bauch etwas runder vor. Von nun an war er jetzt der Kugelblitz, weil das spätestens bei der gnadenlosen Essensaufnahme, durch die blitzartigen Gabelvorstöße in Richtung Bradl, der bestpassendeste Spitznamen war. Unser Blitz war mit der fortwährenden Nahrungsaufnahme so beschäftigt, daß er gar nicht bemerkte, daß wir schon längst zur Brauereiführung gewandert waren. Irgendwann, so ungefähr nach dem fünften Bier, beendigte er die einseitige Gesprächigkeit mit seiner Verwandtschaft, da er jetzt merkte, daß er sich mutterseelenallein in der Gaststube befand.


Inzwischen war Söhnchen Roman um den ausbleibenden Vater mehr als besorgt. Er strebte jetzt wieder in Richtung Braugaststätte zurück. Da kam ihm der Papa, noch mit Besteck und einem noch nicht ganz fertig gekauten Stück Bradl bewaffnet, wild fuchtelnd entgegen. Wenn ihn, der sich aufopfernde Sohn, nicht von weitem schon angeschrien hätte, wäre er glatt von einem Fruchtsaft-LKW plattgewalzt worden. Gar nicht zu denken an die Familienschande. So hätte sich das kleine Städtchen Frankenmarkt wenigstens gleich eine neue Straßendecke erspart. Glücklich, noch unter den Lebenden zu sein, umarmte er Söhnchen Roman und stieß ihm dabei, eher ungewollt, sein Besteck in den Rücken. Da sich dieser auch schon im fortgeschrittenen Alkoholaufnahmestadium befand, war ihm der Kaiserschnitt relativ wurscht. Zu zweit, durch die seitlichen Ausfallsschritte behindert, kam man kaum von der Stelle, erreichte aber dann doch noch die Führung um das: „Danke, das war´s, hat noch jemand Fragen?“ gleich wieder ins Geschehen einzugreifen. Ischlch es einkliech übeliech, dassssssss äs in där gansen Brauereiiiii üperhaubtkein Bier kippt? Das war das Stichwort für den Braumeister und für meine nächste böse Tat an dem, viel zu Früh in Pension gehen wollenden Kugelblitz.


Hr. Hirsch teilte den andächtig lauschenden Brauereibesuchern sogleich mit, daß ein größeres Holzfaß schon auf die durstigen Kehlen, vor der Brauerei, in der ersten Frühlingssonne, auf diese wartete. Schwerfällig setzte sich auch unser Kugelblitz in eine Vorwärtsbewegung. Durch die Enge der Eisenstiegen unterblieben die „Sidestepps“, aber nur durch diese. Wieder in die Fußfreiheit und die gleißende Sonne entlassen, gab’s gleich wieder treffende Bemerkungen zur Lage. Wou isßss jedzsn däs Fassssssll? Alsbald wurde dieses aus dem kühlen Keller herangehievt und in Position gebracht. Schon viel früher kam mir aber die teuflische Idee, diesen, wie einen in der zwölften Runde schwer angeschlagenen Boxer, in einen neuen Ring zu positionieren. Ich dachte ihm, als vorgetäuschtem Dorf-ältesten der Runde, das Amt des Schlägelschwingens und des kurz darauf, nicht beim ersten Mal treffenden Bier-bändigers, zu. Als er sich richtig von vorne zu dem Faß in Stellung bringen wollte, wurde er von mir mehr als unsanft, da ich ihm begreiflich machen konnte, daß er ja sonst nicht richtig ins Bild käme, zur Seite geschoben. Ihm war das ziemlich wurscht, da ihn ja bereits der neue Durst zu quälen begann. Durch den ungezielten, wuchtigen, aber nicht sehr genau treffenden Schlag, entstand zwischen dem Faß und der Pipe ein Zwischenraum, der sich rasant mit zischender Luft und dem dazugehörenden Schaum urplötzlich füllte und durch den Überdruck explosionsartig in Richtung des, zu diesem Zeitpunkt noch sehr fröhlich dreinschauenden Kugelblitzes, spritzte. Die Wirkung war eine entsprechende. Ein völlig in Schaum gewickelte Bierkugel hüpfte wie wild von einem Bein auf das, beinahe andere, wenn da nicht noch das Gleichgewicht eine Rolle gespielt hätte. Aber da waren ja wieder die rettenden Arme der Restdurstigen, die, wenn sie noch gekonnt hätten, wirklich gerne geholfen hätten. So war die schäumende Kugel sich selbst überlassen und schon bald dem Boden näher als dem Himmel, wenn da nicht ein rettender Strohhalm, in Form eines vollen Bierkrügels, diesen wieder ruckartig aufrichten ließ. Hmmmm...schmeckte das, mehr als verdiente, Bierschaumgetränk.


Bei Bier ist ja bekanntlich der Geschmack das wichtigste, weil mit seiner schaumgetönten Brille konnte er das Krügel, so und so, nicht mehr sehen. Nachdem erstaunlicherweise auch dieses Faß fast völlig geleert worden war, traten wir den planmäßigen Rückzug an. Unter lautem Gejohle wurde unser Braumeiser Hirsch, mittlerweile zum „Heinz“ mutiert, von den Überlebenden verabschiedet. Die Toten wurden irgendwie auf einen Haufen in der Mitte des Leichenwagens positioniert. Leider sehr zum Leidwesen des, auch mittlerweile um zwei Kilogramm schwerer gewordenen King Ralf. Der hielt das Todesröcheln gewisser „Sinnlosgrunzer“ nur bis Linz durch. Dort entließ ich ihn bei einer Tankstelle, samt seiner Frau und um 50 €uro reicher, in ein Taxi. Diesen Nothalt benützte ein gewisser Lothar, um fluchtartig ein nahe gelegenes Restaurant, zwecks....hmm, das haben wir bis heute nicht erfahren, aufzusuchen. Starker Kaffee war da irgendwie im Spiel. Aber der tapfere Gerhard ließ es sich nicht nehmen, seinen Trinkkumpanen, nach ungefähr einer halben Stunde, irgendwie zum Auto zu bugsieren. Bei dem anschließenden Verhör durch Doris, die ja bekanntlich das Alkoholmonopol verwaltete, gab Lothar sehr schnell zu, daß er schon sechs Bier zu dem köstlichen Bradl verschluckspechtete. Die Wiegenlieder der führsorglichen Schwester Doris sorgten alsbald für ein einhelliges Schnarchen. Nur die Gruppe um Beppo versuchte, wie auch schon beim opulenten Mittagsmahle, immer noch irgend ein bekanntes Lied auf die Reihe, besser gesagt auf die Lippen, zu bringen. Unter dem Vorwande müde zu sein, ließ sich Roman mit einem zeitgemäßen Anbandeltrick, einfach auf die Manner Marion fallen. Diese wurde auch etwas später, vom Odem des vorgenannten, in die ewigen Jagdgründe gebracht.


Erst der ruckartige Halt beim Mostbauern in Amstetten brachte ihn und den Großteil, der schon langsam stinkenden Ausflugskorona, wieder in eine halbwegs aufrechte Stellung. Alles, was noch irgendwie kreuchen konnte - mehrere waren auf der Fahrt von Linz hierher bereits verschieden - folgte, wie von unsichtbarer Hand gesteuert, dem Rauchgeruch des Speckes folgend, in den schon vorbereiteten Freßweiheraum. Dort vollendete der köstliche Most noch ganz schnell, das schon zeitlich in der Früh begonnene Teufelswerk. Doch bevor es zum endgültigen Stillstand der Gefühle kam, wurde ich, von starken Schmatzgeräuschen begleitet, zum „Mostritter“ geschlagen. Die, die noch was zum Essen hatten, kümmerte dieser Vorfall überhaupt nicht. Jene, die das gute Papperl schon beendet hatten, nahmen ein wenig Anteilnahme an dem danieder geknieten Ritter „Ur-Schulz“. Unter den aufmunternden Sprüchen wie: „Ganz am Boden“ und töööteeen, empfing ich die Weihe. Als Schwert diente ein Mostheber. Mein anschließen-des Wiederhochkommen wurde eher nicht gut geheißen: Kumm, kumm, Blaader; Na, geht ja eh; waren noch die harmloseren Bemerkungen. Da auch ich schon dem köstlichen, vergorenen Birnengetränk in Form eines schnellen Liters, zugesprochen hatte, nahm ich diese unflätigen Einwürfe nicht so genau. Kurze Zeit später war es ein leichtes Spiel, die bis obenhin abgefüllten Zechkumpanen und – innen, in den wartenden Bus zu locken. Nur Lothar bockte, da er gerade begonnen hatte, sich in den Birnensaft zu verlieben. Ich sag ja auch immer: Frauen sind wie Birnen. Dort, wo Sie am rundesten sind, sind Sie am süßesten. Aber unsere Schwester Doris löste den Fall auf ihre bescheidene Art. Sie trug das Glas mit dem köstlichen Elixier vor Lothar her und immer wenn er danach schnappte zog sie es wieder ein Stück in Richtung Bus. Beim Kugelblitz war das bereits sinnlos. Mit welchem Trick wir es dennoch geschafft haben, will ich nur im persönlichen Gespräch verraten.


Im Bus angekommen schmiß er sich, schon vom Tode gezeichnet, einfach auf den bereits seit Linz vorhandenen Leichenhaufen. Ungefähr zu diesem Zeitpunkt, dürfte Roman einen Befehl von den Hoden erhalten haben, da er sich urplötzlich redlich um Marion bemühte. Gerüchten zu Folge, soll er es bis zu einer Übergabe einer Handynummer gebracht haben. Da die Jünger des Beppo in der Dunkelheit dem Tarockspiel nicht mehr frönen konnten, versuchten sie es jetzt wieder mit unorganisiertem Liedergut. Aber nach Wien war es ja „Gambrinus sei Dank“ nicht mehr weit. Unser Fahrer Hr. Robert war, mehr oder weniger, der einzig echt nüchterne in diesem Bus. Und das ließ er mich auch spüren. Ich habe ihm schon verziehen, daß weder die CD-Anlage, noch das Bordmikrofon funktionierte und daß wir uns einmal verfahren hatten, weil keine Landkarte an Bord war. Wien, Wien nur du allein. Ungefähr um 22 Uhr 30 waren wir wieder zu Hause. Besser gesagt im Wirtshause.


Bleiche Gestalten entstiegen unserem Bus. Meist grußlos entschwanden sie, wie geprügelte Hunde, in die fast noch junge Nacht. Ganz wehrlose versuchten bei uns im Lokal noch etwas zu ordern. Diesen Anblick ersparte ich mir, da ich noch sehr viel Arbeit vor mir hatte. Die angeblich gestohlene Handtasche wurde auch wieder gefunden. Ich habe mir versprochen, daß wir uns in diesem Leben, bei einer ähnlichen Ausflugsfahrt im Herbst, in Richtung Burgenland-Steiermark, nochmals sehen werden. Ich glaube, daß unser Kugelblitz und ich dann endlich in Pension gehen können.


Jeder Tag geht oft anders aus, als er heimkommt.

Euer „Ur“ Schulz