Wiesn-Zähler
Flohmarkt
Wurstis alte (gute) Stücke stehen nach telefonischer Reservierung bei Hr. Schulz abholbereit für jedermann am Würstelstand
Namenstag
Heute : Diethard, Isabella, Carlo, Niels
Morgen : Helga, Felix u. Regula, Louis
Warum heißt die Weißwurst denn Weißwurst ?
Der Herr Weh
Gestern am 13.12.1992 hatten wir die Weihnachtsfeier für die Belegschaft des Gasthauses "Zum Schulz" der Pantzergasse 16, im 19 Wiener Gemeindebezirk. Pünktlich um 13 Uhr traf man sich in der urgemütlichen NAC-Sportkantine. Für das leibliche Wohl sorgte sich, wie auch schon vergangenes Jahr unsere "Steffi". Herr W. erschien als Erster. Herr W. schaffte den Weg ins Extrastüberl nicht mehr. Er blieb gleich an der Schank stehen bzw.hängen. Herr W. entstammt dem uralten Geschlecht der Plettenbacher aus dem 3.Jahrhundert. (mhd.Blödenbartel ahd.Blödelbarde)
Hr.W.ist zur Zeit der absolut Letzte seines männlichen Geschlechtes und nach meiner Ansicht auch der Größte. Herr W. konnte mich nur mit Müh und Not begrüßen, da er sich weder von seinem Bierglas in der rechten Hand, noch von seinem Schnapsglas in der Linken trennen wollte. Da er dabei auch noch gleichzeitig rauchte, zischte er nur etwas fast Unverständliches aus der linken Mundecke, das sich so ähnlich wie "Servas Oida" anhörte. Dieser nicht sehr unterwürfige Ton des Hr.W. dürfte noch von dem übermäßigen Verzehr von Alk. in der letzten Nacht herrühren. Für die übermäßige Pünktlichkeit des Hr. W. hatte Herr B. eine sehr gute Erklärung, denn er meinte, daß Herr W. von der letzten Zechstätte direkt zu der Weihnachtsfeier gestoßen sei.
Nach näherer Betrachtung der Augen des Hr.W. schloß ich mich der Leermeinung des Hr.B. an. Zur gleichen Zeit stießen auch Hr.B. und Hr.G. zu Herrn W. Dieses Schanktrio erhöhte die eigene Stimmung durch ununterbrochenes Zuprosten und Lobpreisen des Hr.S. Herr W. wollte durch die Anpreisung eines Schnapses die Stimmung des Hr.S. auch anheben. Dieser lehnte das Angebot des Hr.W. mit der Bemerkung daß ja wenigstens einer einen klaren Kopf behalten sollte, dankend ab. Hr.W. nickte zustimmend, er dürfte es noch irgendwie mitbekommen haben. Hr.W. stieß dann als Letzter zur Weihnachtsfeier.
Der hinreißende Duft der Suppe dürfte Hr.W. ins Rollen gebracht haben. Hr.W. dämpfte gekonnt seinen Tschick in der Suppe aus und löffelte anschließend genüßlich die Brühe aus dem Aschenbecher. Das tat dem Imago des Hr.W. keinen Schaden an, da er sich so und so unbeobachtet wähnte. Das anschließende Backhuhn verzehrte er gleichzeitig mit einer neu entflammten Zigarette. Danach spülte er den schalen Geschmack mit einem Kübel Bier hinunter, rülpste genüßlich, lehnte sich zufrieden zurück und lächelte unverbindlich. Hr.W. dürfte seinen ganzen Wesen nach sehr bescheiden sein.
Hr.W. bekam angeblich das erste Gedicht noch so halbwegs mit. Bei seinem Eigenen verließen ihn die Kräfte und noch mehr die Reimkünste. Hr.W. überspielte die Situation, indem der den holprigen Vortrag, entgegen seiner sonstigen Gewohnheiten, abbrach und das Geschenk überreichte. Hr.W. nahm flugs wieder Platz, da die Nikotinsucht und der fünfminütige Alkoholentzug ihn stark nervte. Ein paar tiefe Lungenzüge und ein neuerlicher Kübel Bier brachte seinem eingefallenen Gesicht dieses so bezeichnete tiefgründige Lächeln alsbald zurück. Daß das nachfolgende Gedicht von mir Hr.W. gewidmet war, interessierte ihn nur am Rande. Obwohl ich an dieser Ode tage- und nächtelang gefeilt hatte, saß er fast unbewegt da. Nur die unbewußten Lungenmuskelbewegungen hielten diesen Kadaver am Leben. Ruckartige Stöße seiner beiden Nachbarn stießen in die Mitte des Lebens zurück.
Nur mit Mühe konnte Hr.W. klargemacht werden, daß sich zu erheben hätte und in meine Richtung zugehen hätte. Sowie Hr.W. aufstand verschwand sein Kopf im Zigarettenrauch seiner eigenen Tschicks. Hr.W. hustete ein bißchen und kam mir mit ausgestreckter Hand entgegen. Da einige Stühle im Weg standen benahm sich Hr.W. leider sehr geräuschvoll. Bei der Entgegenname des Geschenkes lächelte Hr.W. noch zufriedener als vorher. An der anschließend herabkommenden Rauchschwade konnte man daraus schließen, daß Hr.W. auch noch untertänig nickte. Nachdem man den von Rührung fast blinden Hr.W. zu seiner Sitzgelegenheit zurückgeleitet hatte, begaffte dieser lange sein Geschenk. Nach einigen tollpatschigen Untersuchungen des Tieres legte er es gleichgültig weg. Ich glaube Hr.W. hatte nicht einmal mehr die Kraft festzustellen, ob dieses männlich oder weiblich sei. Ein neuerlicher Tschick und der Genuß eines weiteren Kübel Bieres stellten alsbald seinen sehr zufriedenen Zustand von vorhin wieder her.
Eigentlich war ja nicht nur Hr.W. zufrieden, sondern alle Anwesenden, da er ja keinen großen Schaden angerichtet hatte. Herrn Warren S. erkannte Hr.W. zwar noch, aber zu Herrn Adolf von S. stellte er nicht einmal mehr einen Blickkontakt her. Mit den Worten "komisch, wieso bin i auf amol so fett" betrat Herr W. ein anderes Land, denn er träumte sehr kräftig geworden zu sein und sich mit dem regierenden Europameister im Armdrücken messen zu müssen. Dies endete für Hr.W. schrecklich. Das anschließende Schnapsglas brachte er wegen eines Muskelkrampfes nur noch leer bis zu den Lippen. Das ausgeglichene Antlitz des Hr.W. bekam kurzfristig einen Schimmer von Bosheit, nach dem Hr.W. Hr.G. bei dem neuerlichen Einnahmeversuches eines Schnapses hilfreich zur Hand gegangen war, stellte sich der uralte Zustand seines äußeren Erscheinungsbildes wieder dar. Hr.W. war nur etwas kürzer geworden, da er aus starker Übermüdung etwas in seinen Stuhl gerutscht war. Der anschließende tolpatschige Bierkübeltrinkversuch hinterließ leider auf der männlichen Brust eindeutige Spuren. Den tollkühnen Abwischversuch mit der brennenden Zigarette hätte Hr.W. lieber unterlassen sollen. Das leicht vergilbte Hemd des Hr.W. färbte sich urplötzlich in ein aschgrau.
Da Herr W. schon vorher seine dunkle Sonnenbrille aufgesetzt hatte, störte ihn diese Farbzusammenstellung nicht sonderlich. An und für sich war Hr.W. ja bei der Weihnachtsfeier kaum anwesend, da die ununterbrochenen Scheißhausgänge immer vorher und nachher durch einen Schnaps mit dem Kantinenpersonal sich sehr zeitraubend gestalteten. Herr G. und Herr B. überredeten Hr.W. aber doch immer wieder zu seiner Weihnachtsfeier zurückzukehren. Irgendwann, es muß so nach 19 Uhr gewesen sein, fing Hr.W. an sich mit sich selbst zu besprechen. Das war das Zeichen zum allgemeinen Aufbruch. Hr.W. verabschiedete sich von allen Anwesenden wie im Trance. Mich, da er wieder in der linken einen Bierkübel, in der rechten ein Schnaps glas hielt und dabei noch rauchte, verabschiedete Hr.W. mit vom Tschickrauch gequältem Augenliede und entstelltem Antlitz wieder mit den verbindlichen Worten "Servas Oida". Im Grunde genommen war ich über diese Art des Auseinandergehens mit Hr.W. sehr glücklich, denn Hr.W. hätte mir ja auch entgegenfallen können. Dann hätte mir Hr.W. sicherlich die Haare verbrannt und meine neue Kleidung mit Bier besudelt, vom Schnapsgeruch bei einer Polizeikontrolle ganz zu schweigen.
Hr.W. zerstörte anschließend noch mit Hr.G. und Hr.B. seinen eigenen Arbeitsplatz. Das wurde mir vom einzig überlebenden Augenzeugen Hr.H. schriftlich berichtet. Danach verfiel Hr.W., laut Auskunft des Hr.P. Senior, in die Totenstarre. Ein völlig verstörter Augenzeuge Hr.W., der heute mittags Hr.W. die ganzen vergessenen Habseeligkeiten überbrachte beschrieb Hr.W. folgendermaßen: "Etwa um 12 Uhr mittags erschien, nachdem ihn sein Vater von den Toten wieder zu den Lebenden erweckt hatte, Hr.W. in Form einer schlafwandelnden, mit Nachtanzug versehenen Giraffe und übernahm die gefundenen Wertgegenstände völlig teilnahmslos, eher geistesabwesend". Hr.P. Senior hätte lieber vorher seinen Sohn W. schminken sollen, denn in diesem Zustand verbreitete er auch an die vorbeieilende Bevölkerung ausnahmslos Schrecken. Ich würde die Ausstrahlung des Hr.W. mit dem Erscheinungsbild einer Mumie, die von ihrem eigenen Leichenschmaus weggeholt worden ist, vergleichen.
Laut Auskunft seines Vaters, um ca.16 Uhr, ist sein Sohn W. schon wieder auf dem Weg der Besserung, denn er raucht schon wieder und trägt sich mit dem Gedanken übermorgern bereits wieder Bölkstoff zu sich zu nehmen. Wir alle Hr.S. Hr.Sa. Fr.S. Hr.B. Hr.G. Hr.M. Fr.M. Hr.Sch. Fr.Sch. mein Sohn S. Herr Bäck. und Hr.F. freuen uns schon heute auf die Weihnachtsfeier 1993 mit Hr.W.
Nochmals vielen Dank für Alles Hr. Weh.
Hr.S.
N.G. Grüße noch von Hr.Ach und Hr.O.

