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Literatur - Satiren
Geheime Reichssache
An das OKW - Wolfgangschanze Ostpreußen
Frontbericht mit Verlaufangabe vom 15.6. und 16.6.1991, Heeresgruppe Döbling
Schon in der Nacht vom 14. auf den 15.6.1991 war ein reges Treiben im Frontabschnitt der gesamten Döblinger Hauptstraße festzustellen. Es wurde mit allen Mitteln versucht diese so kriegswichtige Hauptkampflinie zu halten. Denn bei einem Durchbruch des übermächtigen Gegners würde mit dem Fall der Stadt Wien die Südostflanke des Reiches völlig schutzlos den anstürmenden Ostvölkern ausgesetzt sein. Die Hauptfront wurde ab 7 Uhr Früh eingerichtet. Die meisten Einheiten verbarrikadierten ihre Gefechtsstände mit jedem verfügbaren Material (Stoffreste,Hosen, Bier, Tapeten, elektrischen Geräten, Hampelmännern, Blumen, Schuhen, Fahnen, etc.). Der Abschnittskommandant, General Markuzi, von der nördlichen Heeresgruppe, munterte persönlich die verschiedenen Befehlshaber auf, ganze Arbeit zu leisten. Er wies auch mehrmals darauf hin, daß es nicht nur um das Schicksal des ganzen Volkes ginge, sondern im besonderen auch um das Ansehen der Truppe.Der Abschnittskommandant der südlichen Heeresgruppe, General Patzak, langte selbst kräftig zu. Sein Befehlsstand war sehr wichtig und mußte daher besonders gut gebaut werden. Ich selbst habe die Front besichtigt und die einzelnen Befehlshaber durch Handschlag auf Döbling eingeschworen. Auf meiner Rundfahrt begleitete mich mein Adjudant Oberst Georg v. Pfeiffer, der nach seinen eigenen Angaben nie ein höheres militärisches Amt anstreben wollte, sich aber, wie mir scheint, seinem Schicksal bedingungslos ergeben hatte. Bis um zehn Uhr waren die meisten Festungsarbeiten abgeschlossen. Nur im Bereich der Heeresgruppe Süd, auf der Höhe 13, war es Major Schulz erst um 12 Uhr gelungen die starken Geschütze, die dicke Bierberta und den Flammengrillwerfer, in Stellung zu bringen. Dadurch war es nicht möglich diese Südflanke vor den rachedurstigen, sieghungrigen Feinden zu halten. Außerdem waren die ungarischen Hilfstruppen moralisch nicht in der Lage, den anstürmenden Horden einen erfolgreichen Widerstand zu leisten. Diese Südflanke der Front war auch, was die Bewaffnung betrifft, extrem schlecht ausgerüstet. Schon nach einer Stunde ging sogar teilweise die Munition aus. So blieb dem Abschnittskommandant, Hauptmann Ebner, ein hochdekorierter wuchtiger Mann, um 13 Uhr 30 nichts anders mehr übrig, als sich in den innersten Schutzbunker zurückzuziehen. Er verteidigte sich noch tapfer bis 14 Uhr. Dann wurde sein Bunker ausgeräuchert und buchstäblich überrannt. Er unterzeichnete die Kapitulationsurkunde am Nachmittag so gegen 17 Uhr. Eine sehr freundliche Geste des Gegners war es, daß dieses Ereignis mit viel Wein und Sekt begossen wurde.Um ca. 19 Uhr wurde dieser Abschnitt wehrlos dem Gegener übergeben. Im Frontverlauf, Höhe 13, war Major Schulz, ein etwas dicklicher, hecktischer Mann, dem einsetzenden Wirrwarr, durch den Zusammenbruch der Front, in keiner Weise gewachsen. Er gab Befehl die ganze Munition auf einmal zu verschießen. Nur so war dieser Frontverlauf noch bis etwa 15 Uhr zu halten. Dann mußte der Zugskommandant,Oberleutnant Salzer, (EK1 und EK2, sowie Nahkampfspange), nach einem schweren Treffer am Kopf, in das Sanitätszelt gebracht werden. Die Rotkreuzschwester Marianne (Mutterkreuz in Gold) stellte sein Ende um ca. 15 Uhr 30 fest. Ein schnell herbeigeholter Feldpriester konnte auch ihm nicht das Geheimnis seines Rezeptes vom " Teutonenburger " entlocken. Kurz darauf brach eine polnische Einheit in diesen Leerraum ein und nahm den Bunker, nach Mitnahme eroberter Munition, im Handstreich. Der Gruppenkommandant, Gefreiter Koch, war zu diesem Zeitpunkt, ca. 16 Uhr, vom Kampfgeschehenschwer gezeichnet. Er konnte nur durch Drohungen (Standgericht) des Major Schulz bei seiner "Fahne" gehalten werden. Um 18 Uhr brach dieser Teil der Front endgültig zusammen, dachdem schon Kampfwagen des Gegners deisen Abschnitt der Döblinger Hauptstraße überrollten.
Major Schulz gab unverzüglich den Befehl die HKL auf die Panzerhöhe 16 zu verlegen. Überstürzt verließen die flüchtenden Truppen, unter Rücklassung der Munitionshülsen, den Kampfplatz. Der vorausgeschickte Kommandant, Oberleutnant Rath, konnte in dieser Eile nicht die geeigneten Rückzugsstellungen ausbauen, da ja, vorallem durch den Ausfall der Küchenbrigade, nicht einmal eine Notverpflegung ausgegeben werden konnte. So konnte der Gegener schon ab 18 Uhr in die nur notdürftig ausgebauten Stellungen dringen und eine totale Verwirrung in diesem neuen Front- abschnitt verursachen. Durch eine rasch eingeleitete Offensive einer Pantzertruppe, mit dem Kommandanten Hauptfeldwebel Zingrosch, konnten die Nachschubwege wieder freigekämpft werden. Major Schulz bekam durch seine genauen Kommandos diesen Abschnitt recht schnell wieder in den Griff, da er auch auf die ausgeruhten Ersatztruppen, unter Hauptmann Mark Schreiner und seinen Stellvertreter, Obergefreiten Veres, zurückgreifen konnte. Trotzdem war auch er dem immer stärkeren Ansturm der feindlichen Gruppen, teilweise aus Übermüdung, er kämpfte schon seit den Morgenstunden, nicht mehr gewachsen. Um 20 Uhr konnte er nur mehr mit Müh und Not, unterstützt vom Volkssturm und einer Notverpflegung, der drohenden Einkesselung entgehen. Im Dunkel der Nacht war es ihm möglich sich in das nördlich eingerichtete Auffanglager durchzuschlagen. Auf der Flucht dorthin konnte er noch beobachten, daß die HKL auf der Höhe 23 noch völlig in Ordnung war. Der Abschnittskommandant, Hauptmann von Furthner , ein Ostmärker aus Deutsch-West Ungarn, kämpfte mit seiner Einheit bis zum Umfallen. Diese Truppe ist ja ein eingespielter Haufen und es befinden sich in diesen Reihen viele erfahrene Frontkämpfer vom Frankreichfeldzug.(Einsatzgebiet: Cognac, Champagne, Burgund ).
Auf der Höhe 43, mit dem Abschnittskommandanten Amon, waren noch Rückzugsgefechte zu sehen und zu hören. Die Hiwi-Schwester, Ilse Koch, kümmerte sich bis zur Selbstaufgabe um die stark angeschlagene Truppe. Insbesonders um die Verhungernden. Mancher fand an ihrem Busen eine gnädige Ruhe. Auf der Höhe 65, mit dem Kommandanten Karl Löwenbrau von Hirt, wurde noch bis spät in die Nacht gerungen. Man konnte sogar harte Nahkämpfe beobachten. Diese Truppe wurde, auf Grund der zu erwartenden hohen Ausfallsquote, reichlich mit Alkohol der Marke "Warmlack" versorgt. Ob sie im Kampfe, oder an den Folgen dieses Gesöffs gestorben sind, ist bis heute ungeklärt. Die Truppen im Pantzerabschnitt, Höhe 16, wurden nach letzten Funkaufzeichnungen eingekesselt und zur Geisterstunde gänzlich aufgerieben. Nach Rückgewinnung dieses Abschnittes am Sonntag, durch den wiederaufgestandenen Gefreiten Koch, konnten noch spärliche Aufzeichnungen gefunden werden. Es muß ein mörderisches Schlachten gewesen sein. Oberleutnant Rath verteidigte sich heroisch bis zur letzten Hülse. Alle anderen tapferen Recken lagen im gesamten Frontabschnitt, teilweise fast unkenntlich,auf hren Regimentsfahnen gebettet, he-Rum. An diesen Tagen wurde Döblinger Geschichte wahrlich mit Blut geschrieben. Ich werde diesen Tag nie vergessen.
Gezeichnet
ADOLF v. TILLER
Generalfeldmarschall
mit Eilboten.
