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Mord in Alicante
Literatur - Satiren
Mord in Alicante
(Luftgeschwader Legion Condor II) - Bericht: CBN (Cost Blanca News)
Wenn da nicht dieser neugierige Kater „Max von Schnurr" gewesen wäre, hätte der ganze Fall nie das Licht der Öffentllichkeit erreicht. Kater Max strich einfach in der Golfanlage „Las Ramblas" umher. Diese lag unweit von Torrrevieja bei Alicante. Er streunte durch sein Revier, teils um Neues zu erfahren und natürlich auch auf der täglichen Nahrungssuche. Hunger ist in diesem Landstrich ein ständiger Wegbegleiter. Noch dazu, wo Katzen im Wohnbereich nicht gehalten werden dürfen. So sind diese armen Geschöpfe auf die gütige Unterstützung der Menschen, die hier wohnen, angewiesen und mehr, oder weniger, abhängig.
Das Haus Nr. 372 lag am Ende der Straße neben der „Zona Verde"-(Grünzone). Es war jener Bereich in dem sich die Katzen immer bei Gefahr zurückziehen konnten und darinnen solange verweilten, bis die Luft rein war. Heute war wieder einmal so ein Abend, nicht zu heiß und die Luft in der Dämmerung schon angenehm kühl.. Hmm, wie sich da die Barthaare wohlfühlten. Tief geduckt, immer zum Angriff bereit, schlich Kater Max direkt auf den sichtlich verwaisten Wohnungsblock zu. Merkwürdig, irgend etwas war heute anders. Kater Max hielt inne, um sich dann noch langsamer, Tatze für Tatze, die Stiegen zu dem Eingang vorzutasten. Auf dem oberen Treppenabsatz angekommen, spähte er ganz langsam durch den geöffneten Türspalt der Wohnung. Eigentlich hatte er überhaupt kein Recht hier zu sein. Es war nämlich streng untersagt den Katzen Essensreste bereitzustellen, oder ein eigens für sie zubereitetes Mahl, in einer kleinen Schüssel zu kredenzen.
Doch die Neugier und der langsam aufkommende Hunger überwog jetzt bei Max. Der Raum war noch dunkel, aber sehr schnell gewöhnten sich seine Augen an die Finsternis. Ein für ihn neuer, süßlicher Duft drang ihm in die Nase. Er konnte diesen nicht einordnen. Langsam rundete sich das Bild vor ihm ab. Es dürfte dieser Anblick auch für einen Kater ganz fürchterlich gewesen sein, da Max mit aufgestellten Haaren und einem jämmerlichen Geschrei, der durch Mark und Bein ging und die ganze Anlage auf die Füße kommen ließ, fluchtartig, mit großen Sprüngen, den Eingangsbereich dieser Wohnung in Richtung „Zona Verde" (Grün-Zone) verließ. Mit einem lautstarken Gepfauche tauchte er in das Dickicht der grünen Pflanzenwelt ab und verkroch sich dort. Er wurde dann für viele Tage nicht mehr gesehen.
Was war geschehen, daß unser Kater so schrecklich verstört reagierte. Wir würden es bis heute nicht erfahren, wenn da nicht zufällig in dieser Anlage ein Mitarbeiter der CBN* eine Wohnung hatte und wie immer seinen morgentlichen Rundgang bis hinunter zum Kanal, um dort einige sportlichen Übungen zu verrichten, machte. Redakteur „Richard von Aufdecker" kniff sein geschultes, immer auf Neuigkeiten trainiertes Auge, noch enger als sonst zusammen und wendete seinen Blick eben auf diese Stelle, von wo der erste mächtige Schrei zu hören war. Es war merkwürdig still in der Anlage und dadurch vernahm er das quietschende pendeln der Türe des Hauses 372 um so deutlicher. Jetzt lenkte „ Richie", wie er liebevoll von seinen Schreibgenossen genannt wurde, seine Schritte rasch und voller Entschlossenheit zu eben dieser. Ein bißchen mulmig war ihm schon ums Herz, da ja außer ihm niemand, wie er glaubte, sonst in der Anlage war. Irgendwo hatte er auch das Gefühl, seine Pflicht tun zu müssen. Vielleicht wartete auch eine kleine Sensation hinter dieser Wohnungstüre. Ein bißchen mehr Berühmtheit und eine kleine Gehaltsaufbesserung konnte er auch gut gebrauchen, da er sich ein neues, schnelleres Auto anschaffen wollte. Er dachte da so an einen roten Porsche 911, Baujahr 1992, den er günstig von einem Freund erstehen könnte. Jetzt war es soweit, er setzte zuerst seinen linken Fuß, dann seinen rechten, immer wieder abwechselnd vor den Anderen. Auf dem oberen Treppenabsatz angekommen hielt er kurz noch einmal inne, holte tief Luft und zog ganz sacht die Eingangstüre, die nur angelehnt war, mit zwei Fingern auf. Dunkelheit kroch ihm entgegen. Auch er roch den süßlichen Geruch. Er erinnerte ihn etwas an verbranntes Fleisch und einen eigenartigen Verwesungsgeruch. Er öffnete jetzt etwas vorsichtiger und langsamer als vorher die Türe in den inneren Teil der Wohnung. Licht drang ein und erhellte jählings den Tatort. Es war ein fürchterlicher Anblick. Redakteur „Richie" zuckte zusammen. Es fiel ihm sichtlich schwer Luft zu bekommen.
Ein grauenvoller Anblick bot sich ihm da. Überall lagen Leichenteile herum. Von der Zimmerdecke troff Blut und kleine Fleischfetzen lagen wild verstreut in der Wohnung. Ja sogar auf der Karnische und der Anrichte klebten kleine Fleischklumpen und bewegten sich ganz sacht im Wind, des auf der kleinsten Stufe laufenden Luftumwälzers. Angeekelt zog „Richie" die Pforte rasch zu und lenkte seine Schritte eilig zu seiner Wohnung, in der sich sein Mobiltelefon befand, weil es ihm bei seinen morgendlichen Turnübungen eher hinderlich war. Jetzt fluchte er leise darüber, daß er wertvolle Zeit verlor. Wenn nur keine Anderer diesen grauenvollen Mord entdeckte und schneller als er eine Meldung an die Presse losschickte. Existenzangst nagte unterschwellig mit. Das war aber gut so, da er um so rascher und gezielter Maßnahmen ergriff. Ein kurzes Telefonat mit der Lokalredaktion sicherte ihm einen Exklusivbericht auf der morgigen Hauptseite der CBN. Einen Artikel auf der ersten Seite, das war schon ein langgehegter Wunsch von ihm. Etwas entspannt zündete er sich zur Feier des Tages eine Zigarre, Marke-Sumatra-Stumpen an und goß sich ein gutes Gläschen Sherry ein. Er blies den blauen Rauch der Zigarre in die Luft, machte dabei die Augen zu und begann darüber nachzudenken an, wie sich das Ganze so abgespielt haben könnte........
Es war ein wunderschöner lauer und milder Maientag in Las Ramblas. Einige Golfspieler standen auf dem Übungsplatz und schlugen, mehr oder weniger, sinnlos Bälle auf den Übungsplatz, in die Büsche und in den nahegelegenen Teich. Dort wohnten viele Familien des Geschwaders Condor. Sie lebte dort schon einige Tage zufrieden samt ihren vielen, vielen Nachkommen. Leider hatten in den letzten Tagen eingeschlagene Golfbälle einige Staffeln dieser adretten und unauffälligen Einwohner tödlich getroffen. Es gab auch einige Tote unter den vielen Brüdern und Schwestern in den anderen Gruppen. Ein eigener Schwarm war mit dem ununterbrochenen schaufeln von Gräbern beschäftigt. Da auch diese immer wieder von Golfbällen dahingerafft wurden, hatte man auch hier große Mühe die ausgefallen Arbeitspiloten nachzubesetzten. Es war ein wunderschöner Maiensonntag und Geschwaderkommandant „ Saug von Hartmann", trommelte die Gruppenführer „Stich von Mölders" „Surr von Galland" und die Königin der Lüfte „ Vera v. Bissing" zu sich, um Ihnen mitzuteilen, daß alle Piloten in 10 Minuten startklar zu sein hätten. Ebenso teilte „Bgd. General Hartmann" den Gruppenführern mit, daß er vorhatte, einen Ausflug zu den anderen Wasserstellen der Umgebung zu machen. Da diese Wohnanlage mehr als 300 Häuser aufwies, war schon von vorne herein für den Kommandanten "General Hartmann" klar, daß es auch unzählige, ergiebige Wasserstellen zum Abwerfen der Übungsbomben gab. Auf ein Pfeifkommando des Brigadegenerals, den wir Menschen leider nicht wahrnehmen können, stieg die ganze Armada unverzüglich in einen vermeintlichen wunderschönen Ausflugstag auf.
In steilen Kurven ging's bergauf, bis in die Höhen, wo es ein schon ein bißchen kälter wurde. Die "Flufis"* hatten so ihre spezielle Freude am Fliegen, wie Kinder halt so sind. Sie jauchzten, daß es nur so eine Freude war. Es gehört eigentlich nicht viel Vorstellungsgefühl dazu, diese Freude nachzuempfinden, auch wenn man sie nicht hören konnte. Leider wurden in den ersten Minuten von kreuzenden Schwalben einige Jungflieger dem Geschwader entrissen und erlitten einen fürchterlichen Tod, da sie unverdaut in den Mägen der hungrigen Insektenkiller landeten und dort jämmerlich erstickten. Indessen ließen die weiblichen Pilotinnen, von denen gab es eine erklägliche Anzahl, immer wieder kleine "Babywasserbomben" am Rande der Schwimmbecken ins Wasser fallen. Derweil flog „BgGen. Hartmann" mit einigen Ketten auf Erkundung, um eine möglichst gefahrlose Route für diesen Tag zu erkunden. Unter diesen Rottenführern waren nicht mindere Kampfpiloten wie, " Kuno v. Köring", - „Baron Stichthofen" und die erfahrene „ Hanna Reitsch" dabei. Einige unerfahrene Jungpiloten wollten unbedingt mitfliegen, verloren aber alsbald den Anschluß, da die Geschwindigkeit dieser „Messerschmidt-Jünger" und die "Fockey-Wölfchen" einfach zu schnell waren. Es mußten so einige Ausfälle beklagt werden. Viele unerfahrene Piloten, die sie „ Pimpf-Flieger" nannten, ließen sich erschöpft an irgendeinem Wasserbecken nieder, um sich auszuruhen. Leider waren diese dort eine leichte Beute der dort lebenden Frösche, die sich für das Mahl mit wunderschönen Köpflern in das kühle Naß bedankten. Einige Kinder beobachteten das mit Freude. Sie, die, weil oben nackt, für die kleinen „Stucketten"* einen opiumartigen Duft ausströmten, hatten gar keine Ahnung, was sie da unter diesem Geschwader Condor für einen Schaden anrichteten. Wie magisch angezogen, surrten die kleinen "Stucketten" in mehreren Staffeln auf die Kinder los, um von dem herrlich süßen Nektar etwas zu erhaschen. Als sie da, wie betäubt auf ihren süßen Quellen saßen, war nun leichte Beute für die kleinen Kinder. Diese schlugen wie wild, als Sie den jähen Schmerz fühlten, um sich, trafen einige Piloten tödlich, oder sprangen ins Wasser, was den sicheren Erstickungstod der Jungflieger nach sich zog. Als der Befehlshaber „BgGen. Hartmann" von seinem Erkundungsflug zurückkam, sah er schon von weiten die einzelnen Schlachtfelder rund um die Schwimmbecken. Sein Geschwader war auf 2 Gruppen zusammengeschrumpft. Sofort veranlaßte er die weiblichen „Stucketten"* ihm junges Pilotenblut heranzuschaffen. Jetzt waren alle Kommandeure der Kampfgeschwader sehr zufrieden, daß sie die weiblichen Pilotinnen noch kurz vor ihrem Einsatz zum Geschlechtsverkehr gezwungen hatten. Nur so waren sie erst jetzt in der Lage nach entsprechender Blutaufnahme für neuen Nachwuchs zu sorgen. Nach einem kurzen Ausflug, zu den wehrlos schlafenden Menschleins, kehrten diese voll aufgetankt, mit bestem Blute zurück. In dieser Anlage befanden sich hauptsächlich Deutsche Urlauber. Die Jung-pilotinnen sorgten durch das reihenweise Abwerfen der Bombempackete, in Form von Säuglingen in die Schwimmbecken, für schnellen und reichlichen Nachwuchs. Die abgeworfenen Kinderbomben der letzten Woche wurden jetzt schnell rekrutiert und in die Kampfstaffeln aufgenommen.
Die Chefpilotinnen der Stukettenstaffeln, "Hanna Reisch"| „Vera v. Bissing", sowie Staffelkommandantin "Liesel Bach", wurden dafür später mit dem „Saugrüssel-Blutorden mit Schwertern und Brillanten" ausgezeichnet. Innerhalb von Minuten waren die Lücken in diesem Geschwader wieder aufgefüllt. Diese neu rekrutierten „Kamikaze- Sonntagsjäger" waren ganz wild auf ihren ersten Einsatz, hatten sie auch schon den großen Durst ihrer Väter geerbt. Das Geschwader stach nun geschlossen in Richtung „Alta Mira", der obersten Hügelanlage, um sich dort im thermischen Aufwind hochtragen zu lassen. Ganz waghalsige schafften es sich bis zu hundert Metern im Aufwind hochzuschrauben und dann wieder im Sausetempo Kurs auf das schönste und größte Schwimmbecken zu nehmen. Heißa war das ein Gefühl, sich aus den Wolken senkrecht herabzustürzen und sich dann im Gleitflug in der wohligen Feuchtigkeit zu suhlen. Wie benebelt zogen die Staffeln Schleife um Schleife. Immer und wieder stießen neue, frisch beim Teich ausgebildete "Junker-Juniors", in Schwärmen zu Ihnen. Es wieder einmal so ein himmlischer Tag, den man schon lange nicht mehr erlebt hatte. Nicht unweit am Sportkanal, so hieß der wasserführende Kanal, mit dessen Wasser die umliegenden Felder der Bauern bewirtschaftet wurden, war gerade das Geschwader „Armin Göring" mit ihren vielen Staffeln von Jungpiloten in Ausbildung. Leider wurde auch dieser schöne Ausflug, man ahnt es schon, von einer hinterfotzigen, kaltschnäuzigen Wiener Familie (Austriakus Primitivus), schändlich ausgenützt. Diese bewohnte in der obersten Anlage von „Alta Mira" das letzte Haus Nr. 372 auf der rechten Seite. Der Hintereingang, eigentlich der Haupteingang, war meistens geöffnet. Beide Türen, die zum Wintergarten und die Türe hinaus Richtung Schwimmbecken standen sperrangelweit offen, um angeblich mehr Luft durch die Wohnung ziehen zu lassen. Aus der Sicht der Redakteurs „Richie" war das aber eindeutig ein vorsätzlich geplanter Mord. Für das angenehme Raumklima hätte man ja die neue installierte Klimaanlage in Betrieb nehmen können und auch die Türe zumachen können. Aber nein, man führte böses im Schilde und noch dazu an so einem herrlichen Tag.
Wie von einem Tornado, oder einer Turbine angesaugt, hatte das Geschwader "LC II"* keine Chance an diesem Objekt, nur um seinen Sonntag zu genießen, vorbeizufliegen. Die Ausdünstung dieses fettleibigen Familienoberhauptes Siegur Schulz (er wurde später mit 135 kg identifiziert) und seiner ebenfalls fettleibigen Gemahlin "Ger-Anvertraute", übte auf die Legion eine so magische Anziehung, daß das ganze Geschwader von einem fürchterlichen Duftsog angesaugt wurde. Es war das in Unmengen ausgeatmete Kohlendioxyd und die hinreißenden Düfte, die durch die Fettsäuren, Ammoniak und die Milchsäure erzeugt, daß diese magisch anzog. Noch dazu saßen diese Mörder mit ihren fetten Ärschen und herabhängenden Bäuchen auf den Lehnsesseln, mehr oder weniger nackt, den Bademantel weit geöffnet, schlafend und grunzend, das Programm versäumend. Aber der soeben gespielte Naturfilm, hätte diese sowieso nicht interessiert. In einem endlos langem Strudel wurde die ganze "Legion C.II" unaufhaltsam zu diesen schweißtriefenden, stinkenden Körper (für die "Stuketten"war das natürlich reiner Necktarduft, genauer gesagt Opium), angesaugt. Tapfer stürzten sich die ersten Staffeln auf diese Mörder. Als die ersten Schwärme und Ketten die Wohnung erreichten, wurden sie, weil sie einfach zu hoch flogen, von dem sich sehr schnell drehenden Luftumwälzer erfaßt und jählings an die hintere Wand des Raumes geschleudert. Dort mußten sie sich zuerst orientieren, um dann wieder zu einer halbwegs geordneten Formation, in Angriffsstellung zu gehen. Aber in diesem Augenblick kamen schon wieder neue Staffeln über die Schwelle, um ebenfalls gleich durch den Luftwirbel, an die Hinterseite des Raumes befördert zu werden. Natürlich war es nicht zu vermeiden, daß Die ersten Staffeln mit den Neuankommenden aufeinanderprallten. Das führte zu einer sehr hohen Ausfallsquote unter der Legion. Viele Flufüs* lagen mit gebrochenen Flügeln und geknickten Beinen am Boden, auf den Stühlen und verschiedenen Einrichtungsgegenständen, herum. Weithin konnte man das Wehklagen und das Stöhnen der vielen Verwundeten hören. Nur leider war dieses Geräusch für uns Menschen nicht hörbar, da es in einer, für das menschliche Ohr nicht wahrnehmbaren Frequenz, ausgesandt wurde.
Während sich die ersten Gruppen wieder zum Angriff fertigmachten, griffen immer wieder neue Schwärme und Ketten in das Kampfgeschehen ein. Es herrschte ein völliges Durcheinander. Einige Rotten versuchten über den Luftumwälzer zu dem, nach Opium duftenden Körpern, zu gelangen. Nur leider wurden auch diese von den Luftumwälzern erwischt und in tausend Stücke gerissen. Die hüllenlosen Körper wurden in der ganzen Wohnung verstreut. Ganz tapferen Rotten gelang es unter dem Rottenführerführer „Skorzeny de la Austria" sich auf den leblosen Menschenkörpern festzufressen. Mit frischem Blut über und über vollgefüllt, versuchten diese einen Start, um schnell wieder ins Freie zu gelangen. Leider wurde diese dicke Menschenkörper, vom Stechschmerz geplagt, halbaufgeweckt und schlug sogleich wie wild um sich. Wahllos wurden viele mutige Einzelkämpfer durch die Prankenschläge des Fettwanstes so zerquetscht, daß das Blut nur so aus den zarten Körpern herausspritzte und sich am Körper dieses, am Bademantel und auf den umliegenden Teppichen und Möbelstücken verteilte.
Das war für die anderen Gruppenführer nicht unbedingt eine Motivation, anzugreifen. Aber trotzdem stürzten sie sich, ihrem Instinkt folgend, wieder und wieder, todesmutig auf den übergewichtigem Feind. Dieser griff, schlaftrunken zu seinem Glas Wein, um im nächsten Moment mit seinen Lippen vom Glase unzählige Rotten der „Stuketten"* mit einem tiefen Zug zu ersäufen. Diese erstickten jämmerlich, oder sie ertranken im Magen des „Wanstes", in den darauffolgenden Sturzbächen an Wein. Da dieser schon mehr als gefühllos war, spürte er auch nicht, wie sich schon wieder mehrere Rotten an seinem Körper festsaugten, um ihren Familiennachwuchs zu sichern. Für diesen natürlichen Drang nach Vermehrung hatte der schwitzende "Untan" überhaupt nichts übrig. Immer und immer wieder schlug er mit einem Riesenpracker auf die kleinen wehrlosen Tierchen ein und rief damit ein Blutbad, ungeahnten Ausmaßes, hervor. Die Wohnung glich jetzt schon einem Schlachtfeld. Jetzt griffen wieder und wieder ungeordnete Gruppen, leider meistens vom „LUW"* angesaugt, an. Auch die Gattin des "Untans" an. Diese verströmte genaugenommen einen viel süßeren Duft als ihr Gatte, der Fettwanst. Einigen Rotten gelang es auf den aggresiven Leib zu gelangen und ebenfalls wichtige Nahrung für die Kinder zu erlangen. Auf diesem Körper konnte man sich viel ausgiebiger ansaugen, da diese, im dumpfen Tiefschlaf überhaupt, mehr als gefühllos war. Leider waren die „Stuketten"* von dem süßen Necktar so vollgesaugt, daß ein Aufkommen fast unmöglich machte. Mehr torkelnd und taumelnd als fliegend, stießen sie mit den heranbrausenden, frisch rekrutierten Staffeln, immer wieder zusammen. Das Blut spritzte nur so durch den Raum.
Der Fußboden glich immer mehr und mehr dem Schlachtraum einer Fleischerei. Nur zum Unterschied, daß hier alles völlig geräuschlos von statten ging. Wäre da nicht das regelmäßige Grunzen der beiden "Killermenschen" zu hören gewesen, hätte man das Gefühl gehabt, in einer hellerleuchteten Gruft zu sein. Einer wahrlich übergroßen Familiengruft. Die nachfliegenden neuen Geschwader waren durch die übergroßen Ausfälle schon so entnervt, daß sie sich fast kamikazeartig in den „LUW" stürzten, um diesen mit vereinten Kräften lahm zu legen. Leider war genau das Gegenteil der Fall. Die kleinen schwachen, fett- und muskellosen Körper, wurden wie Zündhölzer geknickt, das heißt, halbiert, skalpiert und geköpft. Der „LUW"* hatte immer und immer wieder ganze Arbeit geleistet. Gegen diesen übermächtigen Feind war man einfach chancenlos. Aber das Signal zum Rückzug wollte keiner geben. Bei soviel Blut sah man auch die Fahne nicht!
Und so wurden an diesem Nachmittag mehrere Geschwader der „Messerschmidt und Focke-Wölfchen-Geschwadern", mehr oder weniger, sinnlos auf dem Altar des Vermehrungsdranges, geopfert. Ein grauenvoller Anblick war das. Überall lagen Tierkadaver, wild verstreut, in der Wohnung herum. Von der Zimmerdecke troff Blut. Leichenteile klebten an allen möglichen und unmöglichen Stellen in der Wohnung. Sogar in der Küche fand man noch blutbeschmierte Flügel- und Beinfetzen. Auf der Karnische und im Vorhang klebten kleine Fleischklumpen und bewegten sich ganz sacht im Wind. Wie auf ein Geheim-zeichen, kehrten die übriggebliebenen Schwärme in der einbrechenden Dunkelheit zu ihren Brutstätten zurück. Das Titanenpaar war jetzt ebenfalls erwacht und zog sich, ohne die Eingangstüren zuzusperren, in die oberen Räume, wegen offensichtlicher Trunkenheit und einem hohen Schlafbedürfnis zurück. Bevor die beiden „Satane in Menschengestalt" einschliefen, hörte man Sie noch lange über die vielen Gelsenstiche wehklagen. Auch juckten die unzähligen Einstiche fürchterlich. Strafe muß eben sein.
Irgendwann mußte unser Redakteur..............eingeschlafen sein. Er hörte auch das Telefon, das unzählige Male klingelte, nicht. So war es wieder einmal mit einer Titelgeschichte nichts geworden. Er erwachte erst am nächsten Tag, spät morgens. Bald hatte er auch diesen Traum vergessen. Und somit wurde auch aus dieser Geschichte nichts. Ja, wenn da nicht noch jemand Anderer gewesen wäre. Aber davon ein ander Mal. Ich bin ja froh, wieder ein neues G'schichtl schreiben zu können.
P.S.
Die "Titanenfamilie" wurde unverzüglich wegen vielfachen Mordes angeklagt und noch zwei Tage später zu einer unbedingten Strafe verurteilt. Sie mußte auf dem schnellsten Wege das Land Spanien in Richtung Wien mit der Fluglinie „Aero-Loid" verlassen. Was auch einen Tag später geschah. Außerdem bekamen sie Aufenthaltsverbot für 3 Monate. Als sie nach 4 Monaten wieder in das Haus zurückkehrten, taten sie so, als wie wenn nichts gewesen wäre. So sind sie halt, die Austriaken, hinterfotzig und im Rausch unberechenbar.
*CBN- Costa Blanca News
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* Stucketten-weibliche Sturzkampfgelsen
*LC II - Legion Condor 2
* Flufüs- Flugzeugführer
Wolfgang E. Schulz
