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Golfen Sie schon, oder haben sie noch Sex?

Es war noch nicht Winter, aber für einen Herbsttag war es fast schon zu kalt. Es hatte so um die acht Grad und da die Sonne schien war es irgendwie angenehm. Der Wind war nicht allzu stark und die gute Laune tat ihr übriges, um diesen Tag zu einem wunderbaren Golftag zu gestalten. So gegen halb zwei erreichte ich den Start. Dort befand sich gerade ein Ehepaar beim Abschlag. Es war ungefähr in meinem Alter, die Frau sehr hübsch, etwas mollig. Er eher ein Adeliger. Doch nach dem ersten Abschlag änderte sich das Bild schnell. Er mußte gleich einen Mulligan in Anspruch nehmen. Der Mulligan war um eine Spur besser, weil er nicht so quer war, wie der erste Abschlag. Er landete rechts vor dem Sandbunker. Die folgenden Schläge will ich lieber nicht so genau beschreiben, aber sie hatten etwas sehr ruckartiges an sich. Er erreichte mit sieben Schlägen das Grün und war über die vollbrachte Leistung mehr als stolz. Der zweite Abschlag landete, gerade noch über das Damen-Tee schlitternd, in dem verdienten Aus.

Bevor er noch etwas sagen konnte, kamen schon besänftigende Worte von der Frau Gemahlin. Ich muß noch erwähnen, daß ich ihm die Ehre ließ, da er Sie ja auch am ersten Abschlag gehabt hatte. Mein erster und sein zweiter Schlag lagen rechts vorne und in der Grube. Von dort arbeitete er sich mühsam, Schlag um Schlag, zum Wintergrün vor. Ich versenkte den Ball auf eine Entfernung von drei Metern ins Loch und schrieb mir eine fünf. Am dritten Tee überließ ich im immer noch die Ehre, ganz einfach, weil er sie sich nahm. Dementsprechend fiel auch der Abschlag aus. Wieder ein wunderschöner Hook links ins Aus. Das Achselzucken wurde schon etwas heftiger. Beim zweiten Abschlag drosch der vornehme Herr schon etwas stärker auf die Kugel, der das aber gar nicht paßte und sie bis zum Damen - Tee hoppelte. Insgeheim freute ich mich schon auf das zweite Seidel Bier. Mit mehreren Schlägen erreichte man das Wintergrün, wo man endlos puttete, sich aber, der Ordnung halber, noch eine acht einschrieb.

Jetzt endlich ließ er mir die Ehre, aber nur deswegen, weil er austreten mußte. Mein Schlag war halbwegs in Ordnung, während er wieder seinen verläßlichen Hook bevorzugte. Leider war auf diesem Paar vier links auch wieder eine Outgrenze. Diesmal schlug er mit dem Schläger aufgebracht zu Boden. Eine leichte Prellung der Hand war die Folge. Der zweite Schlag war um nicht viel besser, nur deutlich mehr rechts ins Wasser. Der Adelige begann zu mieseln. Ich konnte mein glucksendes Lachen kaum unterdrücken. An dieser Stelle muß ich noch erwähnen, daß er das vierte Loch wegen Sinnlosigkeit irgendwann abgebrochen hatte. Mit einem zusätzlichen Strafschlag setzte er die Reise ins Ungewisse fort, erreichte aber nicht alsbald das Grün, da er mit einem zu wuchtig angetragenden Hammer zufällig einmal den Ball traf. Der Ball schoß über das Grün hinaus ins Out. Jetzt kam ein leiser Fluch über die Lippen und ein langes Suchen im Wäldchen folgte. Das putten verweigerte er aus eher verständlichen Gründen. Er bockte jetzt etwas. Er ging beim nächsten Abschlag auch nicht gleich zum Tee, sondern stieg auf einen etwas abgelegenen Hügel, um dort in der Höhenluft mehrmals durchzuatmen und um sich nachher die Schnürsenkel fester zu binden. Das half ihm beim nächsten Abschlag leider nicht sehr viel, da er wieder, jetzt mit einem perfekten Slice, in einem wunderrschönen hohen Bogen (jetzt griff auch der Wind in das Geschehen ein) mit einem lauten " Platsch" im Tümpel landete.

Sein sich ärgernder Zustand ging jetzt in ein Murren über und in ein Schaben der Füße. Man kämpfte sich unnachgiebig aufs Grün und puttete dort wieder gekonnt mehrmals hin und her. Man war ja geistig schon längst im Loch und freute sich daher über die vielen gekonnten Übungsschläge. Der nächste Abschlag war wieder von einem übergenauen Hook geprägt, wobei durch die Wucht des Schlages, nicht nur der Schädel, sondern auch der Oberkörper in Richtung Ziel mitgerissen wurden. Der Adelige verlor beinahe das Gleichgewicht. Im Sommer hätten wir diesen Ball im hohen Raff sicherlich nicht gefunden. Es folgte Schlag auf Schlag und Ruck auf Ruck. Das Ärgern und Kopfschütteln wurde auch immer wilder und heftiger. Am neunten Tee konnte ich nicht mehr hinter dem Berg halten, weil er jetzt schon bei jedem Schlag den Kopf nicht in einer Ruhestellung halten konnte und ihn immer wider mit dem Schlag mitnahm. Ich belehrte Ihn, doch endlich den Körper ruhig zu halten. Kaum waren die Worte über meine Lippen gekommen, hätte ich mir am Liebsten diese abgebissen, obwohl mich seine Frau mit einem Ausbruch der Erleichterung, mit den Worten: "Na endlich sagt Ihm das jemand, mir glaubt er ja nicht!" tatkräftig unterstützte. Ich war etwas erleichtert, da ja ein Ratschlag unter der Runde so ziemlich das tödlichste ist, was man einem nicht so geübten Golfer antun kann.

Dieser Fall wog insoferne noch schwerer, da ich ja von dem Ehepaar eingeladen worden war mizuspielen. Die Wirkung war fürchterlich. Der erste Schlag lag wie immer verläßlich links im Out, leider noch vor dem Damenabschlag. Dieser Schlag ließ mir die Schamesröte ins Gesicht steigen. Ich wollte am Liebsten in den Erdboden versinken, leider war die Erde zu hart gefroren und so ließ mich der liebe Herrgott noch lange Buße tun. Sein zweiter Schlag riß Ihm dermaßen ab, daß er senkrecht zum Abschlag in eine Menschengruppe auf dem elften Abschlag raste, diese aber glücklicherweise nicht traf, weil eine davor liegende Mulde die Wucht des Schlages jäh bremste. Anschließend hatte man das Gefühl, daß er sich in der Mulde eingraben wollte, denn nach kurzer Zeit war diese tiefer als vorher. Irgendwie schaffte er es dann doch sich aus dieser üblen Lage zu befreien. Die Schwierigkeit war nur, daß zum Fairway noch eine Baumreihe im Wege war. Diese bereitete ihm noch längere Zeit gröbere Probleme. Mit dem sechsten, oder siebenten Schlag lag er dann endlich wieder am Abschlag. Mit einem "so" schlug er ab, als ob nichts gewesen wäre. Mit dem achten Schlag lag er dann endlich, nicht unweit vom Damenabschlag, in einer halbwegs guten Position. Er trieb den Ball dann noch zwei mal vor sich her, um ihn noch weit vor dem, soundso nicht zu überwindenden Wasserhinderniss, aufzuheben.

Von diesem Augenblick würdigte er mich, überraschener Weise, keines Blickes mehr. Ich schlurfte betreten, wie ein Dackel, demütig hinterdrein. Der zehnte Abschlag kam mitten am Fairway zu liegen, aber leider am achzehnten. Er entschuldigte sich dort artig bei dem Flight und setzte von dort die Rupf- und Reißakrobatik fort. Er schaffte es bis zum Grün das eigene Fairway nicht zu erreichen. An statt dessen mühte er sich entlang des Raffs und Semiraffs langsam nach vor. Er hinterließ schwere Kulturschäden. Im Bunker toppte er ,mit einer nicht vorher gesehenen Genauigkeit, mit dem Sandwich den Ball so stark, daß dieser weit über das Grün erst beim Abschlag elf zu liegen kam. Das Murren und Schaben ging urplötzlich in ein Getöse über. Auch war das Fluchen bis zu unserem Grün noch deutlich zu hören. Er spielte auch dieses Loch nicht zu Ende. Vor dem nächsten Abschlag begann er auch, wie aus heiterem Himmel, Unterkühlung vorzutäuschen. Seine Frau munterte Ihn immer wieder auf und verwies auf den herrlich schönen Tag, die blutrote Sonne im Süden und den aufgehenden mattgrauen, blassen, wasserfarbenen Mond. Es wurde jetzt langsam, aber sicher, empfindlich kühler.

Der Adelige fing zu frösteln an und zeigte dies auch deutlich. Durch das dauernde Herumstehen wurde meine Lust auf das Golfspielen auch nicht gerade gesteigert. Da der Adelige immer stärker zu frösteln begann, wurde sein Aufschwung am 11.Tee eher zu einer Zitterpartie. Bevor er noch den Abschwung einleitete, hatte ich mich schon abgewendet, da ich im Unterbewußtsein spürte, daß hier etwas fürchterliches geschehen werde. Da ich nach geraumer Zeit das satte Balltreffgeräusch noch immer vermisste, mußte ich mich notgedrungen, auch aus Sicherheitsgründen, langsam und vorsichtig dem Abschlag zuwenden. Jö, was sah ich da ganz jungfräulich auf dem Tee liegen: Einen Golfball! Seitlich davon, in einem Respektabstand, eine schwere Graswunde. Sie dürfte wieder einigen Ameisenfamilien das Leben gekostet haben. Hier endet überraschenderweise dieser erquickliche Golfnachmittag. Der Adelige ging grußlos ab, das Arbeitsgerät hinter sich lassend. Gottseidank erbarmte sich die Frau des Golfgepäcks. Sie zog es in meiner Begleitung, leise murrend, der Abendsonne entgegen. Die herrliche Natur, das Summen der glücklichen Insekten und das lustvolle Gezwitscher der Vogelwelt ließ mich all die unliebsamen Vorfälle des Tages vergessen und mich zielgenau einem kühlen Krügel Bier zustreben.

Herz und Wams was willst du mehr!