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Ergebnis

Münchner G'schichten

Oktoberfest - Geschichten

Von Christian Krisch

München kann sich nicht so recht entscheiden. Zwischen Althergebrachtem und Hightech-Koketterie, zwischen uriger Stammtischtradition und Prosecco-Vernissagen, zwischen modischer Jeunesse Doree und der Krachledernen. Und zwischen Föhnsturm und Schneekristallen.

Doch gerade dieser merkwürdige Zwiespalt macht den Charme der bayerischen Metropole aus, die sich mit ihren Prachtbauten in der Pose der glamourösen Schönen gefällt, um der architektonischen Selbstinszenierung wegen - beein­druckend der majestätische Propyläen-Pomp auf dem Königsplatz -, um dann wieder heitere Gottesfürchtigkeit am Marienplatz zu verströmen, dort, wo über den Köpfen der Menschen das Glockenspiel des fünfundachtzig Meter hohen Rathausturmes um elf Uhr präzise schlägt und me­chanische Ritter, Hofnarren und Herolde per Knopfdruck zur alltäglichen kleinen Sensation werden. „Bimmelbam­mel" nennen die Münchener das liebgewonnene Schauspiel, für das längst nicht nur weitgereiste Touristen den neugieri­gen Blick staunend heben.

Der Berufsstand der „Schäffler", der Fassbauer, ist rar geworden, schlummert doch der goldene Gerstensaft heute in Edelstahltanks. Doch im Hofbräuhaus, dem vielleicht berühmtesten Wirtshaus der Welt, in dessen Namen monar­chistischer Stolz mitschwingt, findet sich noch jene Atmosphäre behäbiger Bierseligkeit. Hier sitzen Trachtenjanker und Couture-Jäckchen Schulter an Schulter.

Gegründet 1589 von Herzog Wilhelm V. zur kostengünstigen Versorgung von rund 600 Hofleuten mit Bier, ist es stets beliebter Treff­punkt von Einheimischen, ja auch von Prominenz geblieben - Gorba­tschow und Bill Clinton stemmten hier auch schon eine Maß -, und die Schweinshaxn mit Reiberknödel schmecken echten Münchenern ge­nauso gut wie kichernden Japanern oder trinkfreudigen Russen, die noch lieber die Weißwürscht „Hofbräuhaus-Style with Sauerkraut" in rauen Mengen verdrücken. Zu später Stun­de schallt es babylonisch-heiter im Tonnengewölbe des riesigen Fest­saals, während im Brauerstüberl ne­ben der Schwemme heftig und baye­risch geradlinig diskutiert wird. Und die Themen gehen nie aus, dafür sorgen schon die Herren Politiker - und i „oiwei dahoam sei konnst fei a ned"!

Der Englische Garten, konzipiert von Reichsgraf Sir Benjamin Thompson v. Rumford und seinem beraten­den Gartenarchitekten F. L. v. Sckell, ist im Sommer Münchens beliebtestes „Freilufttheater", weitläufige Spiel­wiese für Familien, Verliebte und Stadtmenschen mit grünen Sehn­süchten, wahre Romantiker kommen aber erst zur kalten Jahreszeit hier­her, wenn sich Nebelbänder durch das Baumwerk flechten und steinerne Pavillons verträumt auf verschneiten Lichtungen auftauchen.

Spätestens wenn die Hände kalt und die Wimpern raubereift sind, lassen sich wohlige Wärme und Kunstgenuss mit einem Erkundungs­gang in Münchens einzigartigem Museumsviertel mit den drei Pinako­theken und den Museen am Königs­platz - Antikensammlung und Glyp­tothek - aufs Vortrefflichste verbin­den. Eine aktuelle Ausstellung im Lenbachhaus zollt dem expressiven Genie Wassily Kandinsky Tribut. Der Maler war zum Kunststudium nach München gekommen. 1901 gründete er die Gruppe „Phalanx", der er eine Malerschule anschloss. 1909 rief er dann die „Neue Künstlervereinigung München" ins Leben, die auch Paul Klee und August Macke gewinnen konnte. Mit der Gründung der Grup­pe „Der Blaue Reiter", 1912, und der gleichnamigen Ausstellung wurde Kandinskys abstraktes Kunstempfin­den endgültig populär.

Wer zu dieser Jahreszeit durch Münchens festlich geschmückte Stra­ßen flaniert, in angesagten Bars flirtet oder auf stimmungsvollen Weih­nachtsmärkten den Blick in die Men­ge taucht, dem fallen die extrem feschen Münchnerinnen auf. Und es scheint, dass dies schon immer so war, befindet sich doch in Schloss Nymphenburg, der Sommerresidenz der bayerischen Könige, die so ge­nannte Schönheitengalerie von König Ludwig I., die drei Dutzend Damen vereint, von der züchtigen Handwer­kerstochter bis hin zur verruchten Tänzerin Lola Montez. Das elegante Landgut war übrigens ein Geschenk des Kurfürsten Ferdinand Maria an seine Gemahlin Henriette Adelaide, die ihm 1662 endlich den ersehnten Stammhalter gebar. Eine wahrlich fürstliche Geste ...