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Das Wienderlied ist der Blues der Wiener!

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Ergebnis

Fahr m´r, Euer Gnaden!

Wiener Musik - Wiener Musik

Die große Kultur, die sich in der Kunst der österreichischen Wagenbauer ausprägte, hatte ihre Voraussetzungen in der Liebe zur Pferdezucht. Dieser glückliche Umstand war durch die Monarchie gegeben. Man weiß, welche Meister die Ungarn in der Aufzucht von Rassepferden waren.

Aber die ung. Pferde wurden von den Lipizzanern in den Schatten gestellt, die auch heute noch Weltruhm in der spanischen Hofreitschule genießen. Der Ursprung diese Pferde sind das Ergebnis einer Kreuzung aus spanischen Hengsten und arabischen StutenFreilich konnte sich nicht jeder Wagenbesitzer Lipizzaner, oder ungarische Jucker leisten. Außerdem waren die Gassen der Innenstadt mehr als eng, düster und es bedeutete fast ein Verkehrshindernis, wenn eine breit ausladende Kalesche daherkam. Im allgemeinen waren auch die Entfernungen nach Grinzing, Sievering, Weinhaus und Lerchenfeld sehr weit, es mußte ja erst einmal das Glacis (eine Fläche, die nicht verbaut werden durfte), überwunden werden. Aufsehen erregten immer wieder die Hofwagen, die sich allerdings wesentlich von den schlichten, fiakermäßigen Gefährten unterschieden. Darüber hinaus wurde jedes Fuhrwerk an der Linie (Lina),das war der Linienwall, der bis 1891 Wien umgab, Halt machen, weil der seltsame Brauch bestand, daß Reisende eine Verzehrungssteuer zu bezahlen hatten. Hier stauten sich die Privatwagen und die Postkutschen. An der „Linie“ wurde einem außerdem der Paß abgenommen, den man innerhalb von vierundzwanzig Stunden bei der Polizei-Oberdirektion abholen „durfte“. Es mußten dies auch Bürger der österreichischen Provinzen tun, wenn Sie Wien besuchten. Zu jener Zeit war es eine große Freude in die Vororte, wo in milder Sonne der Wein reifte, eine Fahrt zu machen. Grinzing war, nicht minder als heute, in der Biedermeierzeit beliebt. Man wollte nur aus der Enge der Stadt, mit ihren Gassenschluchten und ohne einen Sonnenstrahl, hinaus. In solchen Gesellschaftswagen, die man auch Zeiselwagen( vom grün-gelben Vogel) (ausgestorben 1875) nannte, waren nicht nur Philister, sondern auch Schubertianer und auch ein gewisser Grillparzer, anzutreffen. Sie alle wollten Gast in den zahlreichen Heurigenschänken in Grinzing und in Nussdorf sein. Aber keiner von Ihnen hätte sich es leisten können, im Fiaker zum Heurigen zu fahren.( Ich selbst hab das einmal in jungen Jahren mit meinem Freund Emil getan. Es war sehr teuer, aber urlustig. Bei jedem Branntweiner sind wir stehen geblieben und haben ein Achtel Wein getrunken. Als wir dann schwer bezecht in der Silbergasse bei meinem Lieblingsheurigen (heute befindet sich das Labor Dostal drinnen. Is eh besser so) ankamen, mußten wir noch eine Stunde, am Boden hockend, auf das Öffnen dieser Schenke warten. Das hatte sich aber nicht ausgezahlt, da wir zwar einge-lassen, weil wir schliefen, aber umgehend wieder auf die Straße gesetzt wurden, weil wir zu laut geworden sind). Seit diesem Vorfall bin ich nur noch einmal Fiaker gefahren. An meinem 63 Geburtstag vom Burgtheater ins Spielkasino, wo mich eine Champagnerflasche als Spende des Hauses erwartete.

 

Zurück zu den Fiakern:

Das merkwürdige war, daß den Wiener Fiakern, diesen berühmtesten Droschken der Welt, erst im Jahre 1785 Standplätze zugewiesen wurden. Vorher mussten sie, sozusagen im Verborgenen, wirken. Wer einen Wagen benutzen wollte, musste den Kutscher aus der Wohnung holen. Damals hießen die Fiaker Lehenwagen, vielfach wurden Sie auch Janschky-Wagen genannt. Josef Jantschky war ein Mann voll Unternehmungsgeist. In seinen Ställen standen hunderte Pferde und Equipagen. Die Kutscher mußten elegante Livree tragen, so wie die Herrschaftskutscher. Die Miete für einen Tag betrug drei Gulden, für einen Monat sechzig Gulden. Ein Gulden war damals viel Geld. Der berühmteste Fiaker wurde, weil er nicht nur sehr originell war, sondern auch weil er ein ausgezeichneter Coupletsänger war,der Bratfisch. Mit dem schmalkrempigen Hut und der Virginia im Mundwinkel wurde dieser zum Leibfiaker von Kronprinz Rudolf. Dieser konnte herzlich lachen, wenn sein Leibfiaker anhub:

Mi heißen´s den Bratfisch, I kann nix dafür.
I tu aa gern schwimmen-aber bloß nur im Bier.

Fast eben so berühmt waren die Nobelfiaker, die, nicht weniger geschickt als die Quadrigenführer des Altertums, aalglatt zwischen Equipagen und Herrschafts-wagen hindurchflitzten und die Gelegenheit auch noch benützten, Privatwettrennen zu veranstalten. Auch ihre Namen raunte man sich hochachtungs-voll zu: Der „Gfickte“, das war ein Blattnarbiger, der „Wamper-te“, das war ein Dicker, oder die „harbe Goschn“, das war der Witzige, Bissige. Sie alle kannten ihre Kavaliere so gut wie ihre Pferde. Ein Gruß von Ihnen, das respektvoll-vertrauliche Lüften des „Schmalfanftlers“, das einschmeichelnde „Fahr m’r, Euer Gnaden“ adelten den, an den es gerichtet war. Und der echte Kavalier wußte, wie er dieses Vertrauen zu erwidern hatte, ließ sich lässig in die polster sinken, drückte dem Rosslenker ein Silberstück, wo nicht eine Banknote in die Hand und näselte: „Führ mich in den Prater“ (Oder sonst wo hin). Nur an zwei Tagen spielte der Fiaker bewußt und willig die zweite Rolle, fügte sich bescheiden in die zwei Reihen der Wagen, deren eine die Hauptallee hinauf- und deren andere die Hauptallee hinunterfur. Beim zuerst stattfindenden Maikorso war der Hochadel Hauptperson. Der halbe Gotha, soweit er österrei-chische Geschlechter betraf, war hier versammelt und es war ein ewiges Winken,Grüßen und Peitschenneigen von Wagen zu Wagen. Beim, weniger Wochen später stattindenden Blumen-korso wurde lediglich der Geschmack des Schmuckes bewertet.


Vom Praterstern bis zum Lusthaus stand zu beiden Seiten der Hauptallee ein dichtes Spalier von Menschen. Es gab keinen Wiener, der diese großartige Auffahrt versäumen wollte. Meine Mutter, Jahrgang 1907, erzählte mir, daß auch Sie noch in so einer, mit weißen, gelben, roten Rosen, Flieder, Goldregen, Klemats, Nelken und Lilien über und über geschmückten Prachtkutsche, mitfahren durfte. Ebenso habe ich ein wunderschönes Bild mit so einer Ansicht zu Hause hängen. Ich werde es mir jetzt einmal wieder näher anschauen müssen.

So breit auch der Zwischenraum zwischen beiden war, keiner der Herrgötter der Standplätze hätte es gewagt, aus der Kette auszubrechen, um seine Fahrkunst- und seine Waghalsigkeit zu zeigen: er hätte nie wieder eine Kavaliersfuhr bekommen und die Berufsgenossen hätten ihm den Bruch der Solodarität nie verziehen.

Noch etwas über den allgemeinen Verkehr:

Das Verkehrsgewirr wurde besonders am Abend halsbrecherisch, weil es ja noch keine Straßenbeleuchtung gab. Zu dieser Zeit des Abends rannten noch Fackelträger, meist ihrer zwei, vor den vornehmen Wagen einher. Es kam auch vor, daß die Pferde ob dieses grellen und schwankenden Lichtes, zum Scheuen kamen und so ein ziemliches Chaos hervorrufen konnten. Als die Vorstädte 1891 eingemeindet wurden verschwanden die prächtigen Kutschen mehr und mehr. Sie wurden in Schönbrunn in der herrlichen Wagenburg für eine Museum verwendet. Ab nun fuhr der Adel Landauer, die viel kleiner und wendiger als die Fiaker der Biedermeierzeit waren. Die Fiaker hielten sich, auch noch bis heute, weil sich die Kutscher zu einer Spezies herausbildeten. Nur die Taxe war das große Problem. In Österreich war zu dieser Zeit alles der Kontrolle unterworfen. Nur die Fiaker ließ man im Zustand der Anarchie. Jede Fahrt wurde dem Fremden vor dem Einsteigen, durch eine unverschämte Überforderung und die ekelhafte Notwendigkeit, mit diesen Gaunern handeln zu müssen, verbittert. Auf die Frage, was zu bezahlen wäre, hörte man meist lächelnd: „Aber gnä’ Herr, Sö wer’ns ja eh selber wissen...Was halt gerecht ist, gnä´h Herr......Wir wer’n kann Richter brauchen...“

Und als im Jahre 1885 die Zunft ihr hundertjähriges Jubiläum feierte, da wurde alles, was an Ihnen unvergleichlich war, in dem weltberühmten Fiakerlied festgehalten.

Heute entwickeln diese Kutscher beachtliche Anlagen zum Fremdenführer und während sie sich durch das Gewühl der Benzindroschken hindurchwinden, deuten sie mit der Peitsche auf bemerkenswerte Gebäude: „Dös is die Oper....i war no net drin“. „An klan Rutscher no und mir san bei der Stefanskirchen“. Daß dö gotisch is, kennt ma ja glei“. „Dös is des Reiterstand-bild von an,der uns von Deitschland befreit hat, steht eh drauf“. Und meine Gigara heißen Adolf und Hermann. “Fahr ma, Euer Gnaden“, I wüßat in Döbling draußen an klassen Würstelstand auf der Grinzinger Allee so in der Mitten.“Mein Gott, da rinnt ma glei des Wassa im Mund zam!

Auf geht’s - Hühohhhhhh