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Das Wienderlied ist der Blues der Wiener!

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Ergebnis

Geschichte

Wiener Musik - Wiener Musik

Die Vorläufer unserer Fiaker waren im Wien des XVII Jahrhunderts die Lohnwagen (Lehenkutschen) auch Mietkutschen, um 1800 Mietpirutschen genannt. Die ersten Stallungen befanden sich am Rennweg und Alserbach. Damals gab es sogar ein eigenes Lohnwagenamt in Wien und ihr erster Standplatz befand sich auf der Freyung, von wo sie 1721 durch ein Dekret abgeschafft wurden.

Seit 1756 mußten bei uns alle Lohnkutschen mit Nummern versehen sein und dreißig Jahre später zählte man bereits 616 Wagen. Damals betrug die Taxe von der Stadt in die Vorstadt nur 14 Kreuzer. Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts kamen bei uns die Komfortabler1 oder Einspänner in Mode, die einem gewissen Josef Biedermann gehörten und mit dem Zeiselwagen2 des Gastwirtes Wenzel Zeisel in Penzing lange Zeit unserem Stadtbild das Gepräge gaben. In den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts zahlte man für einen Fiaker die erste halbe Stunde 1 fl. (Gulden) und jede folgende 50 Kreuzer, dann kam die sogenannte Bücherl-taxe auf, die wiederum von der kombinierten Taxe abgelöst wurde. Erst in den letzten Jahren vor dem ersten Weltkrieg wurde der Taxameter für sämtliche Personenfuhrwerke eingeführt. In der Blütezeit der Fiaker konnte man überall in der Stadt die joviale und gemütliche Anrede hören: „Fahr'n ma, Euer Gnaden....? Zur Tages- und Nachtzeit bestieg hier der Wiener Kavalier, aber auch der, Stutzer und Drahrer seinen Gummiradler3 zu einer Renommier- oder Spritzfahrt - besonders vornehme Leute hatten ihren Privatwagen

 

ohne Nummer. Auf die Frage: Was kost' dös Zeugl? Erhielt man immer die lakonische Antwort: Aber, gnä Herr, mir wird'n kann Richter brauch'n..., bei uns in Wien net, aber gengan's, gnä Herr, Sie wissen ja eh´...! Erst bei einer Hausherren-Hochzeit, da hättet ihr ihn sehen sollen! Da zeigte er sich mit Schick und Schan4, angetan mit Frack und weißer Rosette im Knopfloch, der Angströhre5 auf dem Kopf und Blumen am Peitscherl und an der Laterne. Je mehr Fiaker bei einem solchen Anlaß angefahren kamen, um so angesehener am Grund galten die Brautleute. War das eines Tages eine Aufregung, als es hieß, jeder Fiaker müsse bei sich am Kutschbock eine Laterne

haben - der Volksmund nannte das Lamperl verächtlich Ölfunserl - und die Männer mit Stößer6 und Pepitahose konnten sich lange Zeit über diese Sekkatur, wie sie die Schikane nannten, nicht beruhigen. Das waren aber noch Zeiten...! erzählt ein ergrauter Fiaker, als wir die Herren Grafen und Barone jeden Freitag mit unserem Zeugl nach Schwechat zum Taubenschießen geführt haben. Damals sind wir immer bei der Renz, der reschen Wirtin von der Kohlstaude abgestiegen und jeder Fiaker hat von ihr eine Handvoll Trabucco7 und zwei Stamperln Kognak zur Stärkung bekommen; dafür haben

wir ihr was vorgedudelt, daß es nur so eine Freude war. Besaß doch jeder Fiaker als Wienerkind von Geburt aus das Talent zu einem Jodler, Kunstpfeifer und Coupletsänger8. - Unsere lieben Schakerln9 waren derweilen in der Reitschule vom Kettenhof eingestellt, die dem seligen unvergeßlichen Dreher gehört hat. Wo sind die Zeiten, als unser Bratfisch den Kronprinzen Rudolf kutschierte und den höchsten Herrschaften seine Wiener G'stanzln bei der Waldschnepfe in Dornbach vorgesungen hat?! Wie beliebt und volkstümlich einst unsere Fiaker waren, zeigte sich erst so recht auf den traditionellen Fiakerbällen in Danzers Orpheum, wo Grafen und Barone der Stadt auf Dutzfuß mit den berühmten Fiakertypen, dem „Stuzerl", dem „Spenatseppl", dem „Gimpelhansel", dem „Hungerl" und dem „Baron Schan" verkehrten. Nicht viel später pfiffen schon alle Praterspatzen unser populärstes Fiakerlied auf den Dächern - vielleicht haben die Wiener Vögel unseren unsterblichen Girardi beim „Leicht" belauscht. Kein  Wunder, daß Reisende, die unsere Stadt in der Kaiserzeit besuchten, jeden zweiten Wiener für einen Fiaker hielten. Wenn auch nach dem Weltkrieg das Benzin unserer Fiaker beinahe aus dem Stadtbilde verdrängt hat, so erleben die feschen Zeugerln in der letzten Zeit doch noch eine späte Nachblüte. Während gegen Ende des Weltkrieges noch zweihundert Schmalranftler10 gegen weit über tausend der Vorkriegszeit zu erblicken waren, gibt es heute nur mehr sechs numerierte Fiaker vor den Ringhotels. Auch das Gespann hat sich im Lauf der Zeiten ganz und gar verändert. Statt der feurigen ungarischen Jucker11 und der schnaubenden russischen Traber, deren Hufe einst wie der Trommelschlag unserer Hoch und Spleni am Granit dahinwirbelten, begegnet man heute nur tramhapperten Schackerln an den Zeugeln. Ein beredter Beweis, daß unser Sprichwort „ Die sticht der Hafer!" bereits der Vergangenheit angehört.

(Auszug aus dem Prosawerk:„Ein Vademecum für den Wiener „)

Erklärung

1) Komfortabler/ billiger einspänniger Wagen
2) Zeiselwagen/ Kutsche für 10-12 Personen
fuhren vom Linienwall stadtauswärts
3) Gummiradler/ Fiaker mit Gummirädern
4) Schan/ Wiener Art
5) Angströhre/ Zylinderhut
6) Stößer/ Zylinder
7) Trabucco/ Wiener Zigarrenmarke
8) Coupletsänger/ 2 Personen Stehgreifvortrag
9) Schakerln/ Anrede für das Pferd
10) Schmalranftler/ schmalkrempige Melonen
11) Jucker/ schnelle Pferde > Schiaßer