Brandneu
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Namenstag
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Wacholder
Wurst & Co - Gewürze
Esst's Kranawitt und Bibernell!
Im Volksmund sagt man zum Wacholder heute noch „Kranawittn", benannt nach der Wacholderdrossel, dem Krammetsvogel, der mit Vorliebe seine blauen Beeren verspeist. Der botanische Name lautet „Juniperus communis". Aber auch unter der Bezeichnung „Machandlbaum" geistert das mit Nadeln bewehrte Gehölz der Heide durch die Weltliteratur, stets umgeben vom Nimbus des Lebensspenders an der Schnittstelle zum Schattenreich. Wie das? Im Mittelalter wurde den Sterbenden mittels Wacholder die Rückkehr ins Leben in Aussicht gestellt. Zudem sprach man ihm die Fähigkeit zu, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Neben seiner mystischen Bedeutung in der Legende ist der Wacholder ein vielseitiger Geselle. Seine dicht verzweigten, schmalen Nadeln duften beim Zerreiben aromatisch. Wacholder tragen im reiferen Alter schwarzbraune Beeren, die von bläulichem Reif überzogen sind. Für die Verbreitung sorgen Wacholderdrosseln und Amseln. Der lichtbedürftige, aber sonst anspruchslose Baum wächst auf mageren, trockenen Lehm- oder Sandböden und auf Muschelkalk. Auch auf Fels-Standorten kann der Wacholder, dank seines weit reichenden Wurzelwerks, überleben. So besiedelt er mit einem Verbreitungsgebiet von Nordafrika, Eurasien bis Nordamerika das größte Areal aller Nadelgehölze. Sein zähes, wurmfestes Holz eignet sich gut für Drechslerarbeiten.
Im Sprachgebrauch des Volkes fest verankert, deuten viele Sprüche auf den Wacholder als heilendes Holz. So sagt man etwa „Vor Holderstauden und Kranawittn ruck i mei Huat und noag mi bis halbe Mittn", oder „Vor dem Holunder zieh den Hut, vor dem Wacholder geh in die Knie". Seinen Ruf als Pflanze, die den Tod abzuwehren vermag, erwarb er sich im Mittelalter, als die Pest grausam wütete. Mit aufgeschichtetem Feuerholz aus Wacholderstämmen räucherten damals die Menschen auf den Plätzen ihrer Siedlungen den „Schwarzen Tod" aus. Mit brennenden Scheiten gingen sie in die Krankenstuben und sagten dabei Sprüche auf. Hieronymus Bock beschreibt den Wacholder in seinem Kräuterbuch als „sonderlich Preservativum wider die Pestilenz". In Bayern werden noch heute nach dem Viehtrieb die Ställe mit Wacholderrauch gereinigt bzw. desinfiziert. Seit Jahrhunderten schon wussten die Menschen, worüber heute wissenschaftliche Untersuchungen Aufschluss geben: Wacholderduft vernichtet Viren, Keime und Bakterien. Bevor der kostbare Weihrauch importiert werden konnte, bedienten sich die Missionare des Wacholders, auch „Waldrauch" genannt, als Weihrauch-Ersatz. Alle Pflanzenteile, besonders aber die reifen Beeren, enthalten ätherische Öle und Bitterstoffe. Der Wacholder begleitet die Menschheit mit mannigfaltigen Heilwirkungen bis heute: Kneipp empfiehlt Wacholder in seiner Kräuter-Kur: Wacholder-Öl als Einreibung und Hautreizmittel bei chronischen Erkrankungen, vor allem der Gelenke, bei tiefer liegenden Entzündungen und gegen Flechten. Innerlich wendet er das Wacholder-Öl gegen Magen- und Darmstörungen an, zur Regelung der Drüsentätigkeit, bei Leberleiden, Migräne und Herzklopfen. Wen wundert es bei diesen vielen guten Eigenschaften, dass man dem Wacholder auch unzählige Namen, von Feuerbaum, Räucherstrauch, Wachtelbeerstrauch, Weckholder bis zum Weihrauchbaum, gab? Auf den Friedhöfen gilt der Wacholder als Baum der Toten. In Sagen, Märchen und Liedern erscheint er als geheimnisvolles Gewächs, das vor allen dämonischen Wesen schützt. Wacholderbeeren sind übrigens das einzige Küchengewürz aus der Gruppe der Nadelgehölze und in der Kulinarik sehr beliebt: Sie werden traditionell zum Einlegen und Kochen von Sauerkraut verwendet. Ganz oder zerdrückt verfeinern die Beeren aber auch Wild und Wildgeflügel. Zu Fleischragouts, deftigen Aufläufen, gekochtem Fisch und Fischmarinaden passt ihr würziges Aroma mit seinem kräftigen Wald- und Heidegeschmack. Die Beeren enthalten neben ätherischen Ölen auch noch Harze, Bitterstoffe, Gerbstoffe und Zucker. Wacholderschnäpse wie Genever oder Steinhäger regen den Appetit an.
Ein Tipp für Verliebte: Zusammen mit Wacholderbeeren ergeben Petersilie, Thymian, Lorbeer und Knoblauch eine Liebesgewürzmischung, die zur Steigerung von Libido, Potenz und Fruchtbarkeit dienen kann.
Von Angelika Starkl
Bei uns in Döbling gibt es sehr viel Wacholderbäume, sie haben verschiedene Namen:
Wacholder
Kranawittl
Machandl
Juniperus communis
Wolfgang E. Schulz
